Mehr Handel mit dem Herz der Finsternis

Diese auf dem Russland-Afrika-Gipfel vorgestellten Waffenimitate dienen nur zum Spielen. Foto: Roscongress Foundation

Russischer Afrika-Gipfel in Sotschi

Während des Kalten Krieges engagierte sich die Sowjetunion aus geopolitischem Interesse heraus wirtschaftlich und militärisch stark in Afrika, wo damals die Karten neu gemischt und aus Kolonien Länder wurden (vgl. Gestürzte Bourgeoisien, die es gar nicht gibt). Fast 30 Jahre später ist das chinesische Handelsvolumen mit Staaten südlich der Sahara fast zehn Mal so groß wie das russische. Um das wieder zu ändern veranstaltet der russische Staatspräsident Wladimir Putin in der Schwarzmeerstadt Sotschi gerade den ersten Russland-Afrika-Gipfel, zu dem 44 der insgesamt 54 afrikanischen Staats- und Regierungschefs sowie tausende weitere Teilnehmer aus allen diesen Staaten angereist sind.

"Afrika", so Putin zu Beginn des Gipfels zur russischen Nachrichtenagentur Tass, sei "immer mehr ein Kontinent der Möglichkeiten", weshalb man dort Milliarden investieren werde. Der russische Außenminister Sergej Lawrow hatte bereits vorher staatliche Garantien für russische Exporteure in Aussicht gestellt. Mit solchen Garantien machen nicht nur chinesische, sondern auch deutsche und andere Unternehmen gute Geschäfte in Drittweltländern, weil die Risiken die Steuerzahler in der Heimat tragen.

Rüstungsmarkt

Für solche Garantien infrage kommen unter anderem Geschäfte mit Rüstungsgütern, weil Russland in diesem Bereich Weltmarktfähiges produziert. Trotzdem machten die russischen Rüstungsexporte nach Afrika den Zahlen des Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) nach zwischen 2014 und 2018 nur 17 Prozent der russischen Waffenexporte insgesamt aus (wobei man berücksichtigen muss, dass SIPRI Ägypten nicht dazu, sondern zum Nahen Osten rechnete, in den weitere 16 Prozent gingen). Damit dieser Anteil nicht weiter zugunsten Chinas sinkt hat Russland in den letzten Jahren - ebenso wie das Reich der Mitte - zahlreiche Militär- und Sicherheitskooperationsabkommen mit afrikanischen Ländern geschlossen (vgl. China propagiert Militärkooperationen zur Absicherung der Neuen Seidenstraße).

Um das aktuell nur bei umgerechnet etwa 20 Milliarden US-Dollar liegende Handelsvolumen wie von Putin geplant in den nächsten Jahren zu verdreifachen wird der Rüstungssektor alleine aber nicht reichen. Deshalb hofft man auch auf die Abnahme von Landmaschinen, Nutzfahrzeugen, Zivilflugzeugen, Medikamenten und Lebensmitteln. Letztere werden neuerdings auch von ehemals südafrikanischen Landwirten produziert, die wegen der Plaasmorde in ihrer Heimat nach Russland flüchteten (vgl. Südafrika: Venda Ramaphosa löst Zulu Zuma ab).

Energie

Mit den Kernkraftwerken, die Russland Südafrika 2014 verkaufen wollte, scheint es jedoch vorerst nichts zu werden. Stattdessen hat man dort unlängst die Laufzeitgenehmigung des 1984 nach französischen Plänen gebauten Reaktors Koeberg von 2024 bis 2044 verlängert. Nun hofft Rosatom auf bessere Geschäfte mit anderen Ländern, in denen man vor allem mit Kernenergieunternehmen aus China und Frankreich konkurriert (vgl. Russland will Indien mindestens 20 weitere Kernreaktorblöcke liefern).

Der russische Konzern Lukoil exportiert sein Know-How beim Fördern von Öl währenddessen nach Kamerun, Ghana, Nigeria und wahrscheinlich bald auch in den Kongo. Dort und in anderen afrikanischen Ländern gibt es aber nicht nur Erdöl (über das Russland selbst in exportfähigen Mengen verfügt), sondern auch Bodenschätze, die sich in Sibirien seltener finden, aber von russischen Industriebetrieben nachgefragt werden: Chrom und Mangan beispielsweise.

Um solche Bodenschätze in instabilen Ländern profitabel abzubauen benötigt man häufig nicht nur die nötigen Anlagen und das Know-How, sondern auch Schutz vor Warlords, die die Hände aufhalten wie in Budd Boettichers Western-Klassiker Wings oft he Hawk (vgl. Ride Lonesome). Um diesen Schutz zu gewährleisten setzten russische Unternehmen inzwischen auch private Dienstleister aus ihrer Heimat ein (vgl. Kampf um Afrika: Warum wurden drei russische Reporter in der Zentralafrikanischen Republik ermordet?).

Diplomatie

Neben verstärkten wirtschaftliche Aktivitäten haben russische Politiker aber auch einen Ausbau des diplomatischen Engagements in Afrika angekündigt: So will Vizeaußenminister Michail Bogdanow beispielsweise im Konflikt um einen Staudamm vermitteln, den die äthiopische Staatsführung errichten und den die ägyptische aus Sorge um das Nilwasser verhindern möchte (vgl. Wem gehört der Nil? und Machtkampf in Afrika). Damit konkurriert er direkt mit der amerikanischen Staatsführung, die dazu in Washington ein Ministertreffen plant. (Peter Mühlbauer)

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