Landwirtschaftsminister Özdemir will weniger Biosprit im Straßenverkehr

Bild: PublicDomainPictures auf Pixabay

Nahrungspflanzen sollen der Ernährung dienen, nicht der Mobilität. Die Branche verweist dagegen auf die Vorteile beim Klimaschutz. Warum auch der Staatshaushalt von Biosprit profitiert.

Biokraftstoffe haben einen Beitrag zum Klimaschutz geleistet. Im Jahr 2021 halfen sie, 11,1 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen. Das geht aus einer Erklärung der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) hervor, die Anfang Dezember veröffentlicht wurde.

Nun hat Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) einen Paradigmenwechsel eingeleitet: Die Produktion von Biosprit aus Getreide soll zügig beendet werden. Am Sonntag sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe: "Wir brauchen in der Bundesregierung eine vernünftige Einigung, dass wir schrittweise runtergehen vom Biosprit aus Nahrungspflanzen, um diese für die menschliche Ernährung nutzen zu können".

Die Herstellung von Biosprit aus Nahrungspflanzen habe keine Zukunft, so der Minister. Vor allem nicht, "wenn wir das Thema Ernährungssicherheit und bezahlbare Lebensmittel ernst nehmen". Deshalb, so Özdemirs Vorstellung, solle ab 2030 im Verkehrssektor auf Kraftstoff aus Anbaubiomasse verzichtet werden.

Der Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB) kritisierte Özdemirs Aussage. "Biokraftstoffe sind derzeit und bis 2030 die einzige in größeren Mengen vorhandene Alternative zu fossilen Kraftstoffen", erklärte VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann. Nur wenn das nachhaltige Potenzial von Biodiesel, Bioethanol und Biomethan genutzt werde, seien die verbindlichen Vorgaben des Klimaschutzgesetzes heute und bis 2030 einzuhalten.

Im Jahr 2021 produzierte die Branche über 3,9 Millionen Tonnen Biokraftstoffe. Laut BLE wurden damit im Vergleich zur selben Menge von fossilen Kraftstoffen 84 Prozent der Treibhausgase eingespart.

Als Rohstoff für die Herstellung von Biokraftstoffen diente bisher mit 71,1 Prozent überwiegend angebaute Biomasse: Palmöl, Raps und Mais. Zu 28,9 Prozent stammte der Biosprit aus Abfällen oder Reststoffen.

Experten begrüßen Özdemirs Vorstoß, denn über die Elektromobilität ließen sich größere Einsparungen bei den Emissionen von Kohlendioxid erzielen. Dagegen könnte Kraftstoff aus Fett, Stroh und Bio-Abfällen in Bereichen zum Einsatz kommen, in denen ein elektrischer Antrieb nicht zum Einsatz kommen kann: im Flug- und Schiffsverkehr.

Doch der VDB führt weitere Argumente ins Feld, weshalb die Biokraftstoffe nicht zu schnell von den Straßen verschwinden sollten.

Der Verband plädierte dafür, dass man in der Gesamtwertung auch den bestehenden Fahrzeugbestand berücksichtigen müsse. Derzeit wären noch rund 48,5 Millionen Autos mit einem konventionellen Antrieb auf deutschen Straßen unterwegs. Es müsse deshalb angenommen werden, dass es auch 2030 noch über 30 Millionen davon geben wird, selbst wenn die Bundesregierung ihr Ziel für die Elektromobilität erreichen sollte.

"Wir wünschen uns sehr, dass die Bundesregierung ihr Ziel erreicht und 15 Millionen Elektroautos bis 2030 auf unseren Straßen fahren", heißt es beim VDB. Doch derzeit lieferten fast ausschließlich Biokraftstoffe verlässlichen Klimaschutz im Straßenverkehr. "Bis 2030 werden sie den größten Anteil an der Emissionsminderung leisten", so Baumann.

Als weiteres Argument führt der VDB die Belastung des Bundeshaushaltes an. Sollte Deutschland die europäischen Klimaschutzvorgaben in den Bereichen Verkehr, Landwirtschaft und Gebäude erreichen, müsse die Bundesrepublik Verschmutzungsrechte von anderen Ländern kaufen. Mit Biosprit könnte Deutschland demnach nicht nur CO₂ einsparen, sondern bis 2030 auch bis zu zehn Milliarden Euro. (Bernd Müller)

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