Jahresrückblick: Noch nie war es an der Zapfsäule so teuer

Bild: Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

ADAC zieht Bilanz und stellt Negativrekord fest: Noch nie waren Preise für Diesel und E10 so hoch. Energiekonzerne machten satte Gewinne. Warum Bundeskartellamt nicht von Missbrauch der Marktmacht spricht.

Das zurückliegende Jahr 2022 ist turbulent gewesen: Die Preise für Benzin und Diesel stiegen auf Rekordwerte und fielen dann wieder. Teilweise waren von einem Tag auf den anderen zweistellige Preisanstiege zu verzeichnen.

Am Ende wird es wohl auch das Jahr gewesen sein, in dem die Deutschen im Schnitt mit den höchsten Spritpreisen zu tun hatten. Dabei wurde das bislang teuerste Tankjahr 2012 noch einmal übertroffen, hat der ADAC berechnet. Die Preise der Benzinsorte E10 habe die Preise von damals um rund 27 Cent je Liter übertroffen, beim Diesel waren es 47 Cent.

Auffällig war dabei: Die Spritpreise haben sich offenbar von den Rohölpreisen entkoppelt, ihr Anstieg war demnach kräftiger, als nach Beginn des Krieges in der Ukraine durch die Ölpreise zu erwarten war. Inzwischen beschäftigt sich das Bundeskartellamt mit dem Thema.

In ihrem Zwischenbericht führen die Beamten mehrere mögliche Gründe dafür auf: "strukturelle Einschränkungen des Wettbewerbs, bestehende Verhaltens- und insbesondere Preiserhöhungsspielräume der Anbieter oder sogar Kartellrechtsverstöße in Form unzulässiger Absprachen oder des Missbrauchs potentiell bestehender marktbeherrschender Stellungen".

Untersucht wird etwa das Wirken der Raffinerien in Deutschland. In Deutschland werden elf Anlagen betrieben, und die Beamten untersuchen, ob sie die Spritpreise künstlich in die Höhe getrieben haben.

Energiekonzerne stehen – als Betreiber der Raffinerien – schon länger im Verdacht, Extraprofite in der Krise eingefahren zu haben. Jürgen Albrecht, Kraftstoffmarktexperte beim ADAC, verwies nun gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) ebenfalls auf die Raffinerien. Deren Renditen hätten sich vervielfacht.

Auch das Kartellamt hat sich die Preis- und Profitentwicklung angesehen. Beim Diesel lagen die Margen im Jahr 2021 kaum höher als drei Cent je Liter und sie sanken teilweise sogar auf -20 Cent je Liter ab. Einen steilen Anstieg erlebten sie erst nach Beginn des Krieges in der Ukraine.

Für das Bundeskartellamt ist das aber noch kein Anlass, von einem Missbrauch der Marktmacht auszugehen. Die niedrige Gewinnmarge im Jahr 2021 könnte nach Ansicht der Beamten auf die geringe Nachfrage in der Coronapandemie zurückzuführen sein.

In diesem Jahr sei dagegen die Nachfrage angestiegen, was – aufgrund begrenzter Produktion –zu einem Anstieg der Profite geführt haben könnte. Die Wettbewerbshüter verweisen in ihrem Bericht auf das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. Demnach stieg der Absatz von Mineralölprodukten in Deutschland von Januar bis August 2022 gegen dem Vorjahreszeitraum um 7,8 Prozent.

Beim Diesel ging der Absatz zum Teil zurück. "Diesem geringeren Dieselabsatz stand jedoch im gleichen Zeitraum ein größerer Anstieg des Absatzes von mit Diesel chemisch weitgehend identischem Heizöl gegenüber", heißt es dazu im Bericht.

Aber auch grundsätzlich sieht das Bundeskartellamt in hohen Preisen und Gewinnmargen nicht automatischen einen Grund des Missbrauchs. Im Zwischenbericht heißt es:

Der deutliche Anstieg der Margen und Gewinne der maßgeblichen Anbieter ist für sich genommen daher noch kein aussagekräftiges Indiz für nachhaltige Beeinträchtigungen des Wettbewerbs oder kartellrechtswidrige Verhaltensweisen.

Nach einigen Monaten sind die Spritpreise mit Schwankungen gefallen. Benzin habe sich "nach vielen Monaten der Übertreibung wieder in den Bereich des Normalen begeben", erklärte Albrecht gegenüber dpa.

Beim Diesel sind die Preise zuletzt auch wieder leichtgefallen – das normale Niveau werden sie aber voraussichtlich nicht wieder erreichen. Der Grund dafür ist: Die Europäische Union hat einen strukturellen Mangel an Diesel und ist auf Importe angewiesen.

Noch immer bezieht die EU rund die Hälfte des benötigten Diesels aus Russland. Ab 5. Februar ist allerdings die Einfuhr russischen Diesels verboten, wie mit den EU-Sanktionen beschlossen wurde. Einer Rückkehr der Preise auf ein Normalniveau dürfte das abträglich sein. (Bernd Müller)

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