Israel griff Flughafen in Damaskus angeblich wegen Chemiewaffen an

Das Bild soll den Angriff auf den Militärflughafen zeigen.

Verteidigungsminister Liberman erklärte, dass Israel die Weitergabe von modernen Waffen und Massenvernichtungswaffen verhinderte, aber sich weiterhin nicht in den syrischen Krieg einmische

Israel kompliziert die Situation im Bürgerkriegsland Syrien, in dem bereits unübersichtliche viele Kriegsparteien kämpfen und vom Ausland unterstützt werden. Gestern wurde bekannt, dass die israelische Armee Boden-Boden-Raketen von den Golanhöhen auf den Militärflughafen Mezze der syrischen Streitkräfte in Damaskus gefeuert hat. Er befindet sich nicht weit entfernt vom Regierungssitz von Bashar al-Assad. Nach Videos gab es mehrere große Explosionen, vermutet wird, dass ein Waffenlager getroffen wurde. Es soll großer Schaden entstanden sein, viele Hisbollah-Kämpfer seien verletzt oder getötet worden. Ob es andere Opfer gegeben hat, ist nicht bekannt.

Die syrische Nachrichtenagentur berichtete über den Vorfall und erklärte, Israel würde damit "einen verzweifelten Versuch zur Unterstützung der Terroristen" machen. Sieben Tage zuvor hatten israelische Flugzeuge vom libanesischen Luftraum aus ebenfalls Ziele bei Damaskus angegriffen. Khaled Khalaf vom Syrian Revolutionary Command Council bedankte sich jedenfalls bei Israel, die Raketen auf dem Flughafen bombardiert zu haben, "die die Kinder von Aleppo töten sollten". Wenn Israel weitere Angriffe machen würde, könne man Siege gegen das Regime in den nächsten Tagen erzielen.

Ungewöhnlich ist es nicht, dass Israel in Syrien - ebenso wie im Libanon oder im Sudan - militärisch interveniert, auch wenn es offizielle israelische Politik ist, sich aus dem Krieg in Syrien herauszuhalten (was nicht nur Kampfhandlungen oder militärische Unterstützung betrifft, sondern auch die Aufnahme von Flüchtlingen). So wurden immer einmal wieder Stellungen der syrischen Armee oder von islamistischen Gruppen in Reaktion auf Granaten beschossen, die auf die von Israel besetzten Golanhöhen flogen. Mit Kampfflugzeugen wurden auch Waffenlager oder Waffentransporte für die Hisbollah angegriffen (Israel greift Syrien an). 2014 wurde auch ein syrisches Kampfflugzeug abgeschossen, das sich in den israelischen Luftraum verirrt haben dürfte. 2013 war ein Gebäudekomplex bei Damaskus das Ziel.

Eher ungewöhnlich und daher bemerkenswert ist, dass die israelische Regierung dieses Mal so schnell die Angriffe auf den syrischen Flughafen eingestanden hat und dass der Angriff nicht mit Flugzeugen, sondern vermutlich mit Boden-Boden-Raketen über die größere Entfernung ausgeführt wurde. Allerdings wird auch berichtet, es habe sich um Angriffe von Kampfflugzeugen gehandelt. Das erscheint aber unwahrscheinlicher zu sein, nachdem Israel mit Luftangriffen auf Syrien vorsichtiger und zurückhaltender wurde, seit Russland ein Luftabwehrsystem S400 nach Syrien verlegt hat. Nachdem die israelischen Streitkräfte IDF erst einmal wie üblich die Behauptungen nicht kommentieren wollten hat Verteidigungsminister Avigdor Liberman im Gespräch mit europäischen Ministern gestern Nachmittag erklärt, Israel habe weiter kein Interesse, sich in Syrien einzumischen, werde aber seine Sicherheit verteidigen.

In dem Fall sollte nach ihm verhindert werden, dass "fortgeschrittene Waffen" und "Massenvernichtungswaffen" aus Syrien zu den Hisbollah im Südlibanon geschmuggelt würden. Die Hisbollah haben sich nicht nur den Streitkräften von Assad angeschlossen, sondern rüsten sich mit Waffen wie Raketen, aber auch Drohnen vornehmlich aus dem Iran auf. Israel hat Sorge, dass im Unterschied zum letzten Krieg gegen die Hisbollah die schiitische Miliz jetzt über Raketen verfügt, mit denen ganz Israel erreicht werden kann. Mehrmals ließ die Hisbollah bereits Drohnen über Israel kreisen.

Unklar ist, woher die angeblichen Massenvernichtungswaffen stammen

Das Wort Massenvernichtungswaffen ließ natürlich aufhorchen. Libermann sagte heute, es habe sich um Chemiewaffen gehandelt. Er betonte wieder, dass Israel sich nicht in den Krieg einmischen will, aber dass es drei rote Linien gebe, bei deren Überschreitung Israel frei nach Beurteilung der Lage handelt: wenn israelische Bürger bedroht oder die nationale Souveränität bedroht werden oder wenn "fortgeschrittene Waffen" an die Hisbollah geliefert werden.

Zwar hatte die israelische Regierung schon 2012 mit Angriffen auf syrische Chemiewaffen gedroht, aber es war noch die Rede von einer Lieferung von Chemiewaffen an die Hisbollah. Liberman machte nicht klar, ob er von Chemiewaffen spricht, die das Assad-Regime auch nach der fast völligen Zerstörung von fast 1300 Tonnen an chemischen Waffen im Jahr 2014 aufgrund einer Resolution des UN-Sicherheitsrat noch besitzt oder ob sie etwa aus dem Iran stammen sollen. In diesem Jahr wurden erneut Vorwürfe laut, dass neben dem IS auch syrische Streitkräfte erneut Chemiewaffen bei Angriffen im Jahr 2015 eingesetzt haben könnten. Schon 2013 gab es Gerüchte, dass die Hisbollah aus Syrien Chemiewaffen erhalten haben könnte.

Angeblich von der syrischen Armee in einer Schule in Aleppo gefundene Chemikalien der "Rebellen", die möglicherweise der Herstellung von Chemiewaffen gedient haben könnten. Bild: Sana.sy

Einen Tag zuvor hatte die syrischen Nachrichtenagentur Sana berichtet, die syrischen Truppen hätten in zuvor von "Rebellen" besetzten Gebieten in einer Schule große Vorräte von chemischen Substanzen gefunden, aus denen die "Rebellen" mit toxischen Stoffen gefüllte Granaten hergestellt hätten. Nach syrischen Angaben sollen die "Rebellen" mit Chlorgas gefüllte Granaten im November in Aleppo verschossen haben. (Florian Rötzer)