Inflation, Krieg, Spekulation
Seite 2: Versorgung als Geschäft
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Trotz steigender Preise wird der Menschheit immer wieder verkündet, dass die Versorgung gesichert sei: "Die Lebensmittelversorgung ist sicher." (Ernährungsminister Cem Özdemir, WAZ, 31.3.2022) Eine zweifelhafte Aussage!
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Natürlich stimmt es, dass prinzipiell alles Benötigte in Form von Waren und Dienstleistungen in der Marktwirtschaft existiert oder herangeschafft werden kann. In dem Sinne gibt es keinen Mangel und wird es ihn auch nicht geben.
Nur ist eins zu berücksichtigen: Bloß um Versorgung geht es in dieser Gesellschaft nicht. Versorgung ist Mittel des Geschäfts und hat sich in dieser Funktion zu bewähren. Deshalb fehlt am Ende doch hier und da einiges und gibt es trotz allem Überfluss auch jede Menge Armut. Schließlich ist der Erwerb des Lebensnotwendigen (und der zusätzlichen Vergnügungen sowieso) an Preise geknüpft, die nicht nur zu Zeiten der Inflation viele Menschen vom Genuss der Güterfülle ausschließen.
Insofern gehört die Aussage des Ministers zu den Fake-News. Denn mit den steigenden Preisen werden immer mehr Menschen vom Erwerb ihrer Lebensmittel ausgeschlossen, ihre Versorgung wird eingeschränkt und mit Sicherheit unsicher.
Auch die Hungernden in der Welt sind nicht wegen zu wenig Weizen oder anderer Nahrungsmittel in Not – die gibt es weltweit in ausreichender Menge. Sie leiden vielmehr an ihrem Geldmangel, denn der Besitz von Geld entscheidet über ihr Schicksal.
Und an allem ist der Putin schuld
Der Krieg macht uns alle ärmer
Finanzminister Christian Lindner, Bild am Sonntag, 3.4.2022
Behauptet wird, dass es eine allgemeine Verarmung in Deutschland und Hunger in anderen Weltregionen wegen des Kriegs in der Ukraine gibt.
Wie gezeigt, ist schon die Behauptung, dass alle ärmer werden, weil sie mehr bezahlen müssen, eine schlichte Lüge, denn es gibt ja diverse Gewinner in Zeiten der Inflation. Das wird auch gar nicht verschwiegen, sondern als moralisches Problem besprochen:
Bei so manchen Preiserhöhungen fragt man sich, ob das wirklich an Putins Krieg liegt oder ob da einer heimlich Kasse macht.
(Lydia Rosenfelder, Bild am Sonntag
Ein seltsamer Vorwurf! Da wird eine Unterscheidung gemacht zwischen berechtigten und unberechtigten Preiserhöhungen. Ganz so, als ob es ein festgelegtes Verhältnis gäbe zwischen Kosten und Profit. Und darüber hinaus: "Kasse machen" ist doch der Zweck der ganzen Veranstaltung namens Marktwirtschaft, an dem gerade die Bildzeitung als Letzte rütteln möchte.
Oder die Medien melden "Windfall-Profite" bei den Energieunternehmen, also enorme Erfolge, während der Einkommensverlust für Lohnabhängige eine ausgemachte Sache ist.
Dabei hat die Bezeichnung vom Windfall eine doppelte Bedeutung. Diese Profite sollen nicht nur besonders hoch sein, sondern irgendwie auch unangemessen und damit unanständig. Dabei versucht noch jedes Unternehmen, aus seinem Kapital eine möglichst hohe Profitrate herauszuholen. Schließlich werden Manager dafür bezahlt und mit Prämien belohnt, damit dies gelingt. Und am Schluss wird das Ganze als erfolgreiches Wirtschaftswachstum am Standort verbucht.
Die Behauptung, die Inflation sei das Produkt des Ukraine-Krieges, ist also schlicht eine Falschmeldung. Es fällt ja auch gleich auf, dass durch den Krieg noch keine Ernte in der Ukraine oder Russland ausgefallen ist – schließlich ist Winter –, dennoch soll der Krieg bereits an allen Ecken und Enden der Welt Versorgungsmängel hervorgerufen haben:
In vielen Ländern weltweit verdrängt die Angst vor Lebensmittelknappheit und Hungersnöten die Sorgen um die Coronapandemie. Schuld ist Russlands Angriffskrieg in der Ukraine.
Bild am Sonntag
Auch Gas und Öl fließt zu den vereinbarten Preisen aus Russland nach Westen. Dennoch sind die Preise für Weizen, Sonnenblumenöl, Dünger oder Öl und Gas in die Höhe geschossen und machen noch einmal deutlich, worum es bei der Preisbildung geht. Sie wird eben nicht, wie meist unterstellt, durch die derzeitigen Kosten bestimmt, sondern richtet sich auf zukünftige Gewinnerwartungen.
So ist es ja durchaus üblich, dass jetzt schon die Preise für künftige Ernten ausgemacht werden, auch wenn dafür noch kein Samenkorn in der Erde versenkt wurde. In Erwartung von zukünftigen Engpässen bei den verschiedenen Produkten werden bereits heute Preise festgelegt und spekulieren Unternehmen auf zukünftige Gewinne als Folge des Kriegs.
Denn der bietet, was die Preisgestaltung betrifft, eine gute Gelegenheit zur Preiserhöhung und zur Steigerung der Gewinne. Schließlich geht durch den Krieg viel Geschäft kaputt, was die Möglichkeit zum Ersatz schafft. Und auch die Versorgung von Truppen und die Aufrüstung vieler Staaten eröffnen viele lukrative Geschäftsmöglichkeiten …
Bestimmend für die Preise im Kapitalismus sind eben die Geschäftserwartungen der Spekulanten und als solche betätigen sich letztlich alle Geschäftsleute.
Sie schaffen mit ihren Erwartungen auch die entsprechenden Realitäten. In der Erwartung zukünftiger Geschäftsmöglichkeiten erweitern sie ihr Geschäft und erhöhen die Preise. Alternativ lohnt es sich auch, Güter zurückzuhalten, schließlich gibt es die Perspektive, dass man sie später zu einem höheren Preis verkaufen kann.
So bewirken die positiv gestimmten Geschäftserwartungen unmittelbar Mängel in der Versorgung oder in den Lieferketten – also Schwierigkeiten, die als Gründe für Preissteigerungen angeführt werden.
Umgekehrt führen mangelhafte Geschäftserwartungen früher oder später in die Krise, weil niemand Geld investieren will, wenn die Geldvermehrung eine unsichere Angelegenheit ist.
Vernünftig ist eine Ökonomie, die auf Spekulation basiert, also in keiner Hinsicht. Doch aufkündigen will diese Art des Wirtschaftens niemand, leider auch die nicht, die ständig davon den Schaden kassieren. Ihre Existenz als Arbeitnehmer ist an den Gang des Geschäfts geknüpft und das soll so bleiben – durch alle Härten und Belastungen, die gerade mal wieder offen angekündigt werden, hindurch.