Imane Khelif: Boxverband entschuldigt sich für voreilige Aussage in Geschlechtsstreit

Khelif bei den Olympischen Spielen in Paris

Khelif bei den Olympischen Spielen in Paris. Bild: ProPhoto1234/ Shutterstock.com

Boxverband rudert nach Vorwürfen zurück. Neue Entwicklungen heizen die Debatte an. Was wird das offizielle Gutachten ergeben? (Leserdebatte)

Der Weltverband World Boxing hat sich bei der algerischen Box-Olympiasiegerin Imane Khelif dafür entschuldigt, öffentlich angekündigt zu haben, dass sie von Wettkämpfen ausgeschlossen werde, sollte sie nicht beweisen können, dass sie genetisch weiblich ist.

Dies teilte der Verband mit, nachdem er die Einführung verpflichtender Geschlechtstests für Boxerinnen bekannt gegeben hatte. Die explizite Nennung Khelifs hatte die Kontroverse um ihre Teilnahme an den Olympischen Sommerspielen in Paris erneut aufbranden lassen.

Dazu trug auch das Leak eines medizinischen Gutachtens bei, das nahelegt, dass die umstrittene Olympiasiegerin im Weltergewicht genetisch männlich ist. Ein solcher Test hatte dazu geführt, dass Khelif von den Weltmeisterschaften 2023 ausgeschlossen worden war. Khelif hatte damals keinen Einspruch gegen den Ausschluss eingelegt.

Im Folgejahr ließ das Internationale Olympische Komitee (IOC) Khelif dennoch bei den Olympischen Spielen in Paris antreten, wo sie die Goldmedaille gewann. Dies löste eine heftige Kontroverse aus. Das IOC wies die Testergebnisse als "nicht legitim" zurück, ohne Beweise dafür vorzulegen.

Der nun geleakte Bericht des Arztes Dr. Lal Path Labs in Neu-Delhi spricht von einem "abnormalen" Befund: "Die Chromosomenanalyse zeigt einen männlichen Karyotyp."

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Die ehemalige Boxerin Nicola Adams, die Khelifs Teilnahme in Paris scharf kritisiert hatte, fühlt sich nun bestätigt. "Ich kann heute Nacht gut schlafen", sagte sie. Auch die Autorin J.K. Rowling begrüßte die Entscheidung von World Boxing als "Sieg für Frauen".

"Es ist ein Sieg für Frauen, weil sie im Ring nicht von Männern zu Tode geprügelt werden", sagte Rowling. Sie kritisierte auch Menschenrechtsorganisationen, die sich während der Spiele in Paris gegen Geschlechtstests ausgesprochen hatten.

IOC in der Kritik

Der britische Sportjournalist Oliver Brown bezeichnete den Fall Khelif als einen der schlimmsten Skandale in der olympischen Geschichte. Die mächtigsten Sportfunktionäre seien so von der Gender-Ideologie verführt worden, dass sie bereit gewesen seien, das Leben von Boxerinnen zu gefährden, schrieb er im Telegraph.

Eine Frau hätte als direkte Folge einer zutiefst fehlerhaften offiziellen Politik in Paris sterben können, so Browns dramatisierender Befund. Das IOC habe von Khelifs Testergebnissen gewusst, die darauf hindeuteten, dass sie genetisch männlich sei. Dennoch habe das Gremium nichts unternommen.

Inklusion misslungen?

Das IOC habe mit seinem "lächerlichen Rahmenwerk" von 2021 zu Fairness, Inklusion und Nichtdiskriminierung, wonach Athleten in der Kategorie antreten sollten, die am besten zu ihrer selbstbestimmten Geschlechtsidentität passe, Chaos angerichtet, kritisierte Brown.

Khelif selbst äußerte sich bisher nicht zu den aktuellen Vorwürfen. In einem Beitrag in sozialen Medien dankte sie ihren Eltern: "Heute bin ich Champion geworden, aber alles begann vor langer Zeit", schrieb sie. "Als meine Eltern an mich glaubten, auch wenn der Traum zu groß erschien. Als sie mich unterstützten, mir zuhörten und zu mir standen."

Der Fall Khelif wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Trans-Personen im Sport auf. Kritiker sehen die Fairness und Sicherheit des Frauensports gefährdet, wenn zwischengeschlechtliche Personen gegen Frauen antreten. Befürworter einer Inklusion argumentieren mit dem Recht auf Selbstbestimmung und warnen vor Diskriminierung.