Hitze-Aktionstag: Wenn die Temperaturen zur Gefahr werden
(Bild: Pixel-Shot / Shutterstock.com)
Hitzewellen nehmen zu und gefährden unsere Gesundheit. Der Hitze-Aktionstag macht auf die Risiken aufmerksam. Warum Hitze uns altern lässt und was Städte tun müssen.
Hitze ist mehr als nur ein Wohlfühlfaktor. Sie kann zur ernsthaften Bedrohung für unsere Gesundheit werden. Gerade in Zeiten des Klimawandels, in denen extreme Temperaturen immer häufiger auftreten, ist es wichtig, die Gefahren von Hitze zu kennen und sich zu schützen. Genau darauf macht der Hitze-Aktionstag in Deutschland aufmerksam.
2024: Ein Jahr der Rekorde
Das Jahr 2024 war geprägt von Hitzerekorden. Weltweit erlebten rund vier Milliarden Menschen – fast die Hälfte der Weltbevölkerung – mindestens 30 Tage extreme Hitze. In Deutschland gab es 50 Hitzetage, doppelt so viele wie in einer Welt ohne Klimawandel.
Hitze ist den Europäern nicht unbekannt. Schon in den Vorjahren erlebten sie extreme Temperaturen. So wurden in vielen Ländern Europas alte Rekordmarken gebrochen. Italien, Spanien und Frankreich ächzten unter Höchstwerten von bis zu 48 Grad Celsius. Auch in Deutschland kletterte das Thermometer vielerorts über die 40-Grad-Marke.
Wie Hitze unseren Körper belastet
Doch was macht Hitze so gefährlich? Unser Körper versucht, die Kerntemperatur konstant zu halten. Bei Hitze weitet er die Blutgefäße, um überschüssige Wärme abzugeben. Das Herz pumpt schneller, der Blutdruck sinkt. Wir schwitzen, um uns durch Verdunstungskälte abzukühlen.
Doch einmal gerät dieses System an seine Grenzen. Vor allem ältere Menschen haben oft ein vermindertes Durstgefühl und schwitzen weniger. Sie sind anfälliger für Flüssigkeitsmangel und Überhitzung. Babys und Kleinkinder können ihre Körpertemperatur noch nicht so gut regulieren. Auch chronisch Kranke und Menschen, die im Freien arbeiten, sind gefährdet.
Die Folgen können fatal sein: Hitzeerschöpfung, Hitzschlag, Herzversagen. Allein in Deutschland sterben jedes Jahr tausende Menschen an den Folgen von Hitze. 2022 waren es 4.500, in extremen Jahren könnten es bis zu 20.000 sein.
Hitze lässt uns schneller altern
Hitze schadet aber nicht nur akut, sondern auch langfristig. Eine neue US-Studie zeigt: Anhaltende Hitzeperioden lassen unsere Zellen schneller altern. Bei älteren Menschen kann dieser Effekt mehr als zwei zusätzliche Alterungsjahre ausmachen.
Der Grund sind epigenetische Veränderungen. Hitze beeinflusst, welche Gene in unseren Zellen abgelesen werden. Diese Veränderungen summieren sich im Laufe des Lebens und können das Risiko für altersbedingte Krankheiten erhöhen.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
Mit Ihrer Zustimmung wird hier ein externer Inhalt geladen.
Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Besonders dramatisch ist die Lage in den Städten. Hier addieren sich die Effekte von Hitze und Klimawandel zum gefürchteten Wärmeinsel-Effekt. Beton und Asphalt speichern tagsüber Wärme und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Kühlende Grünflächen fehlen oft. So kann es in Städten bis zu zehn Grad heißer werden als im Umland.
Die Folgen sind fatal: In einer Studie prognostizieren Forscher, dass bis 2099 allein in Europa 2,3 Millionen Menschen zusätzlich an Hitze sterben könnten – wenn nicht gegengesteuert wird. Besonders ältere Menschen über 65 Jahre sind gefährdet.
Was Städte tun müssen
Um diese Hitzefalle zu entschärfen, müssen Städte umdenken. Mehr Grünflächen, Dächer und Fassaden begrünen, helle Farben verwenden, die Sonnenlicht reflektieren. Trinkbrunnen aufstellen, Hitzeinseln identifizieren. Auch ein Hitzeschutzplan, wie ihn der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) ankündigte, ist wichtig.
Klar ist: Wir müssen uns an die Hitze anpassen. Denn sie wird bleiben. Die Weltorganisation für Meteorologie erwartet, dass die Temperaturen in den nächsten fünf Jahren weiter steigen werden. Europa erwärmt sich doppelt so schnell wie der globale Durchschnitt.
Umso wichtiger sind Aktionstage wie der Hitze-Aktionstag. Sie klären auf, sensibilisieren und zeigen, was jeder Einzelne tun kann: viel trinken, direkte Sonne meiden, luftige Kleidung tragen. Nur wenn wir Hitze ernst nehmen und uns wappnen, können wir ihre Gefahren eindämmen. Denn der nächste Hitzesommer kommt bestimmt.