Heim ins Reich

Prominenter Holocaustleugner soll nach Deutschland ausgeliefert werden

Der 63jährige Altnazi Ernst Zündel gehört seit Jahren zu den weltweit führenden Holocaustleugnern. Von seinem Wohnsitz in Kanada lieferte er jahrelang revisionistisches Schrifttum in alle Welt. Er gehörte auch zu den ersten Revisionisten, der seine kruden Ideen über das Internet verbreitete. Auf seiner Website Zundelsite.org leugnete er nicht nur den Massenmord an den Juden im Nationalsozialismus, sondern betätigte sich selbst als Verkünder von antisemitischer Propaganda.

Seit Jahren hatte er ein Netz aus Alt- und Neonazis um sich aufgebaut. Doch damit könnte es bald vorbei sein. Die kanadischen Behörden wollen Zündel nach Deutschland ausliefern, wo ihn ein Haftbefehl des Amtsgerichts Mannheim wegen Holocaustleugnung erwartet. Er war schon 1958 von Deutschland nach Kanada ausgewandert, wo er eine unbeschränkte Aufenthaltserlaubnis erhielt. Jahrelang hatte sich Zündel in Kanada vor strafrechtlichen Konsequenzen sicher gefühlt. Doch alle Einbürgerungsversuche scheiterten. Als der Druck auf ihn in den letzten Jahren zunahm (Die Website des Auschwitzleugners Zündel ist auch nach kanadischem Recht verboten), verlegte der Altnazi seinen Wohnort in die USA. Auch seine Website wurde von Kalifornien aus betrieben.

Am 5.Februar 2003 wurde Zündel von den US-Einwanderungsbehörden festgenommen, weil sein Besuchervisum abgelaufen war. Anschließend schob man ihn nach Kanada ab. Seitdem sitzt er in der kanadischen Provinz Ontario im Gefängnis. Seine Auslieferung nach Deutschland will Zündel verhindern. Er hat einen Asylantrag gestellt und bezeichnet sich als deutsch-kanadischen Dissidenten und Kämpfer für die Meinungsfreiheit. Das hat zu scharfen Protesten von antifaschistischen und jüdischen Organisationen in Kanada geführt. Sie sprechen von einem "schamlosen Missbrauch" des Asylrechts und fordern Zündels schnelle Abschiebung nach Deutschland und seine anschließende Verurteilung.

Die deutsche Justiz reagiert allerdings nur zögernd. Sie befürchtet wohl, dass ein in Deutschland inhaftierter Zündel zu einem Kristallisationspunkt der Neonaziszene werden könnte. Mittlerweile wurden zahlreiche Solidaritätsaktionen für Zündel im Internet gestartet. (Peter Nowak)