Halal oder Haram?

Eine neue islamische Suchmaschine für moderate Muslime

Wenn autoritäre Regime oder auch Politiker in demokratischen Staaten verhindern woollen, dass Menschen auf Inhalte im Intrenet zugreifen können, werden Websperren verhängt. Zusätzlich lässt sich die Suche nach Inhalten einschränken. Wenn dies von außen oder oben über die Internetnutzer verhängt wird, mag dies empörend, in manchen Fällen auch nachvollziehbar sein. Kaum verständlich aber ist, warum erwachsene Menschen eine Suchmaschine freiwillig benutzen sollen, die verhindert, dass bestimmte Suchbegriffe Treffer landen, die für eine Religion unerwünscht sind.

Neu ist die Idee keineswegs, aber offenbar kommt sie immer mal wieder auf (Suchmaschine für ultraorthodoxe Juden). Jetzt haben findige Muslime aus den Niederlanden eine islamische Suchmaschine online gestellt, die verhindern soll, dass die gläubigen Internetbenutzer zufällig auf sündhafte Inhalte wie Pornografie stoßen, wenn sie doch etwas ganz anderes finden wollen. Die Suchmaschine ImHalal (halal = erlaubt) stuft das Risiko, auf verbotene Inhalte (haram) zu stoßen, bei der Ausgabe ein, wenn mit möglicherweise "gefährlichen" Worten gesucht wird.

Natürlich sollen die gläubigen Muslime die riskanten Links meiden, wenn sie das Spiel nicht umdrehen und gerade dort nach interessanten Inhalten suchen. Bei Risikostufe 1 und 2 wird nur geraten, den Link nicht aufzurufen, bei der dritten und höchsten religiös-moralischen Gefährdungsstufe gibt es keine Ergebnisse mehr, sondern nur den Hinweis, andere Suchbegriffe zu verwenden.

Unerwünscht sind Suchbegriffe wie lesbisch, schwul, nackt, anal oder sexy, Drogen kommen ebenso wie Brüste, Penis oder Vulva auf Stufe 2, Bier oder Mädchen sind nur bedingt gefährlich und finden sich auf Stufe 1, die Eingabe von Junge oder Boy ist offenbar ungefährlich.. Bei 2 und 1 wird man gewarnt: "Oops! Your search inquiry has a Haram level of 1 out of 3. This means that the results fetched by ImHalal.com could be haram!", kann aber mit dem nächsten Schritt die Suchergebnisse sehen. Die Suche nach Dating-Seiten oder vielen anderen Dingen, die für fundamentalistische Muslime verpönt wären, gilt als unbedenklich, da man auf gemäßigte Nutzer spekuliert.

Angeblich ist die Idee, eine solche Suchmaschine zu entwickeln, auf Anregung einiger Freunde entstanden, die bei der Suche mit Google oder Yahoo versehentlich auf sexuelle Inhalte gestoßen waren, sagt Reza Sardeha, der Gründer von AZS Media Group. Ziel ist es für ihn, das Portal für Muslime auf der ganzen Welt zu werden, weswegen man die Suchmaschine bereits in 15 Sprachen anbietet. Gehofft wird vor allem darauf, dass die Muslime mit der Suchmaschine ihre Kinder vor den Gefahren des Internet bewahren wollen und diesen dann eher die Möglichkeit gewähren, überhaupt online gehen zu dürfen. Sind die Kinder mal online, dürfte eine solche Suchmaschine sie wohl nicht hindern, das zu finden, was sie wollen. Die Geschäftsidee scheint daher wenig überzeugend zu sein. (Florian Rötzer)