Großbritannien: Premier Liz Truss tritt nach historisch kurzer Amtszeit zurück

Schreckte Parteifreunde nicht mit "I am ready to it" bezüglich Atomwaffeneinsatz, sondern erst mit ihrer Finanzpolitik: Liz Truss. Foto: Simon Dawson / No 10 Downing Street / CC0 1.0

Wegen ihrer Finanzpolitik galt die Konservative in den eigenen Reihen als beratungsresistent. Auch mit Kehrtwenden machte sie sich keine Freunde. In Erinnerung bleibt zudem ihre erklärte Bereitschaft zum Atomwaffeneinsatz.

Erst vor knapp zwei Monaten hatte die britische Konservative Mary Elisabeth "Liz" Truss mit Aussicht auf den Posten der Premierministerin ihre Bereitschaft zum Einsatz von Nuklearwaffen erklärt, selbst um den Preis der globalen Vernichtung – was ihre Ernennung am 6. September durch Queen Elizabeth II nicht verhinderte.

Makabere Witze kursierten dann in "Sozialen Netzwerken", als die Königin nur zwei Tage nach diesem Zusammentreffen verstarb. Nur 45 Tage verbrachte Truss dann im Amt der Regierungschefin, bevor sie am heutigen Donnerstag ihren Rücktritt bekannt gab.

Finanzpolitische Vorstöße, Kehrtwenden und eine Ministerentlassung

Nicht wegen atomarer Sorglosigkeit hatte sie rapide an Rückhalt in den eigenen Reihen verloren, sondern wegen ihrer Finanzpolitik. Nachdem sie gleich mehrere Steuerentlastungen zugunsten der Oberschicht angekündigt hatte, ohne die Gegenfinanzierung sicherzustellen oder diesbezüglich auf Fachpolitiker zu hören, galt sie bei den "Tories" als inkompetent und beratungsresistent.

Nach Informationen der Times und des Guardian hatte sich bei den Konservativen eine Gruppe um den erfahrenen Ex-Finanzminister Rishi Sunak und Ex-Verteidigungs- und Entwicklungsministerin Penny Mordaunt gebildet, die Truss‘ Ablösung anstrebte.

Auch ihre Kehrtwenden vermochten Parteifreunde und Establishment nicht zu überzeugen. Am 14. Oktober hatte Truss den erst kürzlich ernannten Finanzminister Kwasi Kwarteng seines Amtes enthoben und kurzfristig entscheiden, die von der vorherigen Regierung geplante Erhöhung der Körperschaftssteuer doch beizubehalten. Möglicherweise war das tatsächlich eine Kehrtwende zu viel. (Claudia Wangerin)