Gefahr aus dem All?

Leonid-Meteoritenschauer könnte Satelliten gefährden

Schon jetzt kreisen mehr als 500 Satelliten um die Erde - und es sollen immer mehr werden. Damit wächst natürlich auch die Gefahr, daß einer der Satelliten von einem Meteoriten getroffen werden könnte. Bislang geht man davon aus, daß sich dieses Risiko in einer Größenordnung von 1 zu 1000 bewegt. Aber es könnte auch wesentlich höher sein, wie Duncan Steel, ein australischer Astronom, vermutet.

Der Test könnte womöglich Ende November dieses Jahres erfolgen, wenn die Erde wieder einmal den Schweif des Kometen Tempel-Tuttle mit seinen Meteoren kreuzt. Man nennt ihn den Leonid-Meteoritenschauer. Eine solche Begegnung geschieht zwar jedes Jahr, doch alle 32 oder 33 Jahre gerät die Erde in einen besonders dichten Teilchenschauer. 1966, beim letzten Mal, wurde der Himmel über Nordamerika während der Zeit des heftigsten "Sturms" von 5000 Meteoren in gerade einmal 20 Minuten erleuchtet. 1998 soll dieser Sturm, der die Erde und die sie umkreisenden Satelliten trifft, zwar etwas schwächer sein, aber man rechnet immerhin mit 200 bis 5000 Meteoren pro Stunde (in einem normalen Jahr sind es nur 10-15 pro Stunde).

Meteorsturm vom 17.11.1996. Foto von A. Scott Murrell am New Mexico State University Observatory

1966 waren allerdings noch nicht viele Satelliten im Raum, doch dieses Mal ist die Wahrscheinlichkeit weitaus größer, daß einer von einem dieser winzigen Teilchen getroffen werden könnte, die mit über 70 km/s herumrasen und dann, wenn sie in die Erdatmosphäre gelangen, verglühen. Selbst wenn die meisten dieser Staubteilchen kleiner sind als die Dicke eines Haares, könnten sie die Satelliten schädigen oder lahmlegen. Die Gefahr ist zwar nicht groß, daß sie Löcher hineinschlagen, doch sie können neben der Beschädigung von optischen Oberflächen oder Spiegeln eine elektrisch geladene Wolke, ein Plasma, entstehen lassen. Aus diesem können wiederum plötzliche elektrische Entladungen erfolgen, die elektronische Geräte, also beispielsweise einen Computer, stören oder lahmlegen.

Möglicherweise sind die bisherigen Schätzungen der Astronomen, was die Menge der Teilchen angeht, viel zu gering angesetzt. Nach den von den kürzlich erfolgten Besuchen der Kometen Hale-Bopp und Hyakutake ausgehenden Untersuchungen, könnten sich, wie Steel vermutet, auch im Schweif von Tempel-Tuttle viele flüchtige organische Verbindungen befinden. Sie haben die Eigenschaft, für die Beobachter unsichtbar zu bleiben, denn sie verbrennen mit so niedrigen Temperaturen, daß ihr Verglühen von der Erde aus nicht gesehen werden kann. Überdies geben sie vielleicht so wenig Elektronen ab, daß sie auch von Radarschirmen nicht erfaßt werden können.

"Wenn kleine Meteoriten in Stürmen vorwiegend aus organischen Verbindungen bestehen, dann liefern die bislang gesammelten Daten", so Steel, "keine realistische Schätzung des Risikos." Die ökonomischen Schäden, die von den Leoniden verursacht werden können, wenn denn seine Vermutung zutrifft, könnten dann groß sein. Zumindest solle man sich, wenn die Erde den Teilchenschauer kreuzt, nicht allzusehr auf Satellitenkommunikation und Navigationssysteme verlassen.

Quellen:

"Space attacks" von Robert Matthews in New Scientist

The Dangers of Meteor Showers von der Aerospace Corporation

International Leonid Watch der NASA (Florian Rötzer)