Fragwürdiger Erfolg: Sanktionen auf russisches Rohöl lassen Exporte einbrechen

Hält der Rückgang an, steuert der Weltmarkt auf eine Unterversorgung zu. Der Preisdeckel würde damit sein Ziel verfehlen. Auch die Auswirkungen auf die Kriegskasse des Kremls sind nicht nach Plan.

Die Sanktionen der Europäischen Union gegen den russischen Ölsektor wirken – aber in einer Weise, die Regierungen in aller Welt beunruhigen dürfte: Das russische Angebot geht zurück. Das ergab eine Analyse des Finanzdienstes Bloomberg, die am Dienstag veröffentlicht wurde.

Sollte diese Entwicklung anhalten, ist ein Anstieg der Ölpreise auf dem Weltmarkt nicht ausgeschlossen. Bloomberg erklärte dazu, die festgestellten Rückgänge solle man aber mit Vorsicht genießen: Wöchentliche Verkehrsströme hängen von verschiedenen Faktoren ab, etwa dem Wetter.

Am 5. Dezember traten die Sanktionen in Kraft. Mit ihnen sollten – vordergründig – Russlands Einnahmen aus dem Ölgeschäft eingeschränkt werden, damit es den Krieg in der Ukraine nicht fortsetzen kann. Das über den Seeweg transportierte Rohöl darf nicht mehr eingeführt werden. Man hat aber auch wichtige Dienstleistungen untersagt, die für den Transport von Öl notwendig sind.

Die USA waren über die Strenge der Sanktionen besorgt, sie fürchtete, dass das weltweite Angebot zurückgehen könnte, was einen erheblichen Anstieg der Ölpreise zur Folge hätte. Washington hatte deshalb darauf gedrungen, dass die Dienstleistungen noch erbracht werden können, wenn das verkaufte Rohöl unter einem bestimmten Preis verkauft werde. Die Preisgrenze hatte man auf 60 US-Dollar festgelegt.

Wie die Auswertung von Bloomberg nun zeigt, gingen in der ersten Woche nach Inkrafttreten der Sanktionen die russischen Ölexporte auf dem Seeweg um 54 Prozent zurück; sie betrugen nur noch 1,6 Millionen Barrel pro Tag.

Festgestellt wurde ein Rückgang der Exporte am Ostseehafen Primorsk und am Hafen Kozmino am Pazifik. In beiden Häfen wurden im Schnitt acht Schiffe pro Woche beladen, nun waren es deutlich weniger.

In Primorsk ging die Zahl der beladenen Schiffe wohl aufgrund von Wartungsarbeiten zurück, weshalb in der untersuchten Woche nur drei Tanker beladen werden konnten. Laut Bloomberg geht man aber davon aus, dass sich hier die verladenen Mengen nach dem Ende der Arbeiten wieder erholen wird.

Anders könnte es im Hafen Kozmino sein, wo das Öl aus Sibirien verladen wird. In der untersuchten Woche ging die Zahl der beladenen Tanker auf zwei zurück. Hier könnte es aber für längere Zeit zu Problemen kommen, denn mindestens zwei große Reedereien hätten ihre Schiffe von der Route abgezogen. Der Grund: Das Rohöl wird oberhalb der Preisgrenze von 60 US-Dollar je Barrel verkauft. Dieses Öl zu befördern, würde den Schiffen die international anerkannte Versicherung entziehen.

Die Schwierigkeiten, die Russland aus den EU-Sanktionen erwachsen sind, könnten allerdings auch nur von kurzfristiger Natur sein. Laut Wall Street Journal sagten Verlader, Händler und Anwälte, dass es Wochen dauern werde, bis klar sei, wie das russische Rohöl auf den Markt komme. Große westliche Unternehmen würden aber wohl auch weiterhin vorsichtig mit russischem Öl umgehen, selbst wenn es unter die Preisobergrenze falle.

Auch beim zweiten Ziel – die Zuflüsse in die Kriegskasse Russlands zu schmälern – ist unklar, welche Wirkung die EU-Sanktionen haben. Die Einnahmen des Kremls aus den Ausfuhrzöllen auf Rohöl seien auf den niedrigsten Stand in diesem Jahr gefallen. Nur noch 66 Millionen US-Dollar seien in den sieben Tagen der russischen Regierung zugeflossen.

Aber auch hier gibt es noch einen anderen Faktor, der das Bild trübt: Die Berechnung der Steuersätze hat sich geändert. Laut Bloomberg rückt man in Moskau von der Besteuerung der Exporte ab und verlagert die Last auf die Produktion. Bis Anfang 2024 sollen demnach die Ausfuhrabgaben abgeschafft werden. (Bernd Müller)

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