Flüsse und Binnengewässer schrumpfen weltweit

Wenn Flüsse langsam zu Rinnsalen werden: Enz, 2017, noch vor den jüngsten Dürren. Foto: Yeerge / CC-BY-4.0

Immer mehr Binnengewässer leiden unter den Folgen des Klimawandels. Immer öfter vertrocknen Bäche und Seen und sinken Grundwasserpegel. In den meisten Regionen ist ein sparsamer Umgang mit Wasser daher ratsam.

Seit fünf bis zehn Jahren sinken hierzulande die Grundwasserpegel. An vielen Stellen schwinden die Bäche, kleinere Seen fallen trocken. Dies ist vor allem an den versiegenden Quellen in den Mittelgebirgen zu sehen. Bei rund vier Prozent aller großen Grundwasserkörper in Deutschland überschreitet die Wasserentnahme die Grundwasserneubildung in einem erheblichen Umfang.

Allein in den vergangenen zwanzig Jahren ging etwa so viel Grundwasser verloren, wie etwa der Bodensee enthält. Betroffen sind vor allem Süddeutschland, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Die Niederschläge zwischen langen Trockenperioden sind eine Verschnaufpause für viele Grundwasserspeicher, erklärt Wasserwirtschaftsexpertin Martina Flörke von der Ruhr-Uni Bochum gegenüber dem SWR. Selbst während eines nassen Winters werden die Pegel nicht wieder vollständig aufgefüllt.

Grundwasserpegel fallen immer dann, wenn die Menschen mehr Wasser entnehmen, als neu gebildet wird, weiß der Biologe Nikolaus Geiler aus Freiburg. Höhere Temperaturen führen dazu, dass immer mehr Wasser verdunstet. Immer häufiger fallende Starkregen fließen einfach ab. Das Wasser kommt nicht mehr im Grundwasser an. Weil immer mehr Flächen versiegelt werden, kann das Wasser nicht mehr vom Boden aufgenommen werden. Stattdessen werden Straßen und Keller überflutet, wie etwa in Südhessen, wo es Mitte September stark regnete.

Der Klimawandel setzt auch Quellen, Bächen und Seen in den Mittelgebirgen zu. Die Wälder im Südwesten etwa leiden schon seit Jahren unter Wassermangel, weshalb sie anfälliger für Krankheiten und den Borkenkäfer sind. Im Schwarzwald wurde das Vieh auf Bauernhöfen in den Dürresommern 2018 bis 2020 mit Hilfe von Tanklastern mit Trinkwasser versorgt.

Die Wasserversorgung wird komplizierter

Im rheinhessischen Hügelland etwa reicht das Grundwasser seit langem nicht mehr aus, um Dörfer und Kleinstädte wie Alzey mit Wasser zu versorgen. Ohne Uferfiltrat aus dem Rhein kommt die Region nicht mehr aus. Inzwischen wird Wasser aus Wasserwerken aus dem Oberrheingraben ins rheinhessische Hügelland geleitet. Doch auch im Oberrheingraben fallen im Sommer immer wieder Gewässer trocken.

Während einer Dürre zapfen Bauern etwa das Zehnfache der genehmigten Wassermengen ab, um ihre Felder zu beregnen, vermutet Gewässerexperte Holger Schindler. Gerade dann müsse mit dem vorhandenen Wasser sparsam umgegangen werden. Der Gewässerbiologe aus Elmstein in der Pfalz schlägt eine gezielte Tröpfchenbewässerung vor.

Zudem brauche es ein Dürre-Management, ähnlich wie im Mittelmeerraum. Hier gebe es verschiedene Warnstufen, bei denen bestimmte Maßnahmen, wie zum Beispiel einen Swimmingpool zu füllen, nicht mehr erlaubt seien. Diskutiert werden zudem größere Wasserspeicher, Fernleitungen sowie Renaturierung von Auen, um mehr Wasser in der Landschaft zu halten.

Für Gartenbesitzer macht sich in jedem Fall die Installation einer Zisterne bezahlt, die das Regenwasser im Umfang von 3.000 bis 5.000 Litern auffangen kann. Anfänglich hohe Investitionskosten amortisieren sich über kostenlosen Wasserverbrauch und den geringere Abwasserkosten.

Eine Menge an Trinkwasser rauscht auch täglich durch Wassertoiletten. Dabei gibt es gerade für Wohnhäuser moderne Regenwasserspeicher, um Wasser für Toiletten oder Waschmaschinen zu nutzen. Eine Regenwasseranlage am Haus etwa kann bis zur Hälfte wertvolles Trinkwasser einsparen. Darüber hinaus installieren Gartenbesitzer in ihren Gärten immer häufiger Komposttoiletten.

Kalifornien: 40 Prozent des Wassers geht in die Landwirtschaft

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Trockenheit im Westen der USA sprechen Wissenschaftler der Universität von Kalifornien inzwischen von einer Jahrtausend-Dürre. Anhand des Wuchses von Baumringen erforschten sie vergangene Dürreperioden. Je schmaler die Ringe, desto extremer waren die Wetterbedingungen.

Seit 1200 Jahren sei es nicht mehr über einen so langen Zeitraum so trocken gewesen. Die Trockenheit könnte noch weitere zehn Jahre andauern – mit verheerenden Waldbränden, schneefreien Bergkuppen und verdorrenden Feldern. Ob der Bergsee Lake Tahoe an der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada über den Großen Salzsee in Utah bis hin zum Lake Mead - viele der einstigen majestätischen Seen könnten während der nächsten Jahrzehnte bald verschwunden sein, wie Satellitenbilder zeigen.

Abnehmende Schneeschmelze als Folge des Klimawandels ist nur ein Grund für das Schrumpfen der Binnengewässer. Weit drastischer ist die Entnahme von Wasser durch Menschen, etwa, um Felder zu bewässern oder boomende Mega-Städte mit Trinkwasser zu versorgen. Im Lake Mead etwa, 50 Kilometer südöstlich von Las Vegas an den Grenzen zu Arizona und Nevada sammelt sich das Wasser des Colorado River, der den Westen der USA bis nach Mexiko mit Tinkwasser versorgt.

Mit seinem Wasser werden landwirtschaftliche Nutzflächen in Arizona, Nevada und Kalifornien bewässert. Gleichzeitig dient er der Erzeugung von Wasserkraft. Doch der See schwindet zusehends. Lag der Stand 2012 noch bei 342 Meter über dem Meeresspiegel, so ist er inzwischen auf 318 Meter gefallen, dem niedrigsten Pegel seit seiner Erstbefüllung im Juli 1941. Experten gehen davon aus, dass die Stromerzeugung am Hoover-Damm eingeschränkt werden muss, wenn der Pegel weiter sinkt. Zudem tauchen von seinem Grund so manche rostige Metallfässer wieder auf.

Landwirtschaftliche Intensivkulturen sind besonders durstig

Auch das Wasser aus dem Colorado River versorgt rund 25 Millionen Menschen mit Trinkwasser und bewässert Hunderttausende Hektar Ackerland. Soll der See erhalten bleiben und der Fluss nicht eines Tages versickern, müssen die Bewohner angrenzender Bundesstaaten Wyoming, Colorado, Utah, Arizona, Nevada und Kalifornien die Wasserentnahme weiter drosseln, empfehlen Experten. Seit Kurzem kontrollieren Wasserpatrouillen, ob Haushalte übermäßig den Rasen wässern oder ihre Autos waschen. Das wird inzwischen mit hohen Geldstrafen belegt.

Glaubt man Patti Aaron vom Bureau of Reclamation so dienen 75 Prozent des Wassers allein aus dem Lake Mead der landwirtschaftlichen Bewässerung. Im Central Valley etwa werden 250 verschiedene Kulturen angebaut. Es werden gigantische Felder mit Erdbeeren, Gemüse, Salaten, Avocados, Artischocken sowie Mandelbäumen und Weinreben bewässert.

In Kalifornien ist der Agrarsektor für 40 Prozent des Wasserverbrauchs verantwortlich. Inzwischen werden in den Staaten an der Westküste Farmer sogar belohnt, wenn sie vom Anbau von besonders wasserintensiven Früchten wie Mandeln und Pistazien absehen oder einen Teil ihrer Felder stilllegen.

Auch der Große Salzsee vor den Toren der Metropole Salt Lake City im Staat Utah trocknet zusehends aus. Seit seiner Besiedelung Mitte des 19. Jahrhunderts wurde immer mehr Wasser für landwirtschaftlicher Nutzflächen entnommen. Seither sank der Wasserstand im Schnitt um rund 3,30 Meter, das Volumen des Sees nahm etwa um die Hälfte ab.

Unterdessen nahm der Salzgehalt etwa um die Hälfte zu. Trocknet der See aus, warnen Wissenschaftler, sterben auch Insekten und Salinenkrebse. Damit bleiben rund zehn Millionen Zugvögel, die jedes Jahr am See Halt machen, ohne Nahrung. Um den Großen Salzsee zu retten, müsste mehr Schneeschmelze aus den Bergen in den See fließen. Dies bedeutet wiederum, dass weniger Wasser für Bewohner und Landwirtschaft übrig bleibt – ein Dilemma, für das es keine einfache Lösung gibt.

Zudem ist der Schlamm des Sees unter anderem mit Arsen vergiftet. Das Gift könnte über Windstürme aufgewirbelt und von den Anwohnern eingeatmet werden, fürchten Experten. Inzwischen planen Lokalpolitiker den Bau eines 800 Millionen Dollar teuren Klärwerks, um Abwässer zu reinigen und wieder in den See zu leiten

Israel: Bis Mitte des Jahrhunderts könnte das Tote Meer verschwunden sein

In Israel werden Tomaten, Paprika, Datteln und Wassermelonen in wüstenartigen, regenarmen Gegenden kultiviert und mit Wasser aus dem Jordan bewässert. Dem Fluss werden jährlich rund 90 Prozent für Landwirtschaft und Trinkwasser in Israel und Jordanien entnommen. Im Toten Meer, in das der Jordan mündet, kommt oft nur noch ein Rinnsal an. Zwecks Gewinnung von Rohstoffen wie Magnesium und Jod wird zusätzlich ein Teil des Wassers verdampft.

Lag der Wasserspiegel 1970 noch rund 389 Meter unter dem Meeresspiegel, so war er im Jahr 2012 bereits auf 426 Meter gesunken. Damit sinkt der tiefste Punkt der Erde immer weiter ab. Während der letzten fünfzig Jahre hat sich die Oberfläche des Sees um etwa ein Drittel verkleinert und jedes Jahr sinkt der Wasserstand um weitere 100 Zentimeter.

Experten gehen davon aus, dass das salzigste Meer der Erde bis 2050 ausgetrocknet sein wird. Um das zu verhindern, soll eine über 200 Kilometer lange Pipeline das Rote Meer und das Tote Meer miteinander verbinden. Das 13-Milliarden-Euro-Projekt, das von Jordanien, Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde bereits 2013 mit Unterstützung der Weltbank beschlossen wurde, soll vor allem die Wasserknappheit in den angrenzenden Regionen beheben.

Rund eine Milliarde Kubikmeter Wasser soll jährlich aus dem Roten Meer ins Tote Meer gepumpt werden. Unterwegs wird Süßwasser aus einer Entsalzungsanlage am jordanischen Ufer des Roten Meeres gewonnen, das als Trinkwasser nach Jordanien und Israel geleitet wird. Die verbleibende Salzlake fließt ins Tote Meer. Werden die Pläne umgesetzt, befürchtet die Umweltschutzorganisation Ecopeace gefährliche ökologische Folgen.

Weil der Wasserweg entlang eines Erdbebengebiets verläuft, könnten tektonische Erschütterungen die Sole-Leitung zum Bersten bringen, so dass austretende Salzwasser die Grundwasserreservoirs Israels versalzen, warnen die Forscher. Neben einer Veränderung des Salzgehaltes könnten sich auch mehr Algen bilden.

Die Experten fordern effizientere Technologien sowie weitere Meerentsalzungsanlagen. Zudem soll die Mineralindustrie wie die Arab Potash Company auf jordanischer und Dead Sea Works auf israelischer Seite des Toten Meeres Gebühren zahlen, weil sie dessen Austrocknen noch beschleunigen. Auch Jordanien hat ein massives Trinkwasserproblem, denn der Jordan kann nur ein Fünftel seiner Bevölkerung versorgen.

Darum will das Land nun in eine eigene Wasser-Entsalzungsanlage investieren. Das Sterben des Toten Meeres trifft die Palästinenser, Jordanien und Israel gleichermaßen. Die Menschen aller drei Länder brauchen das Wasser in der Wüste. Zudem könnte ein gemeinsames Wasserprojekt die friedliche Zusammenarbeit fördern. Leider ist hier noch keine Einigung in Sicht.

Syrien und Irak: Ohne Wasser kein nutzbares Ackerland

In Syrien sind mehr als fünf Millionen Menschen direkt vom Wasser des Euphrat abhängig. Rund 400 Quadratkilometer landwirtschaftliche Nutzfläche von der Dürre bedroht sind. Die Stauseen liefern nur noch wenig Energie. Zwei Staudämme in Nordsyrien, die drei Millionen Menschen mit Strom versorgen, stehen aktuell vor der Schließung.

Zudem steigt in vielen Regionen die Zahl der Infektionen durch Krankheiten, die durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen werden. Im Irak waren im vergangenen Jahr mindestens sieben Millionen Menschen von Dürre bedroht. Im Bezirk Ninewa fiel die Weizenproduktion aufgrund der Dürre 2021 um 70 Prozent geringer aus als im Vorjahr. Flüsse versiegen, Fischbestände sind leergefischt, Trinkwasser ist knapp.

Dafür treten immer häufiger Sandstürme auf. In den kurdischen Gebieten haben sich die Ernteerträge etwa halbiert. Viele bäuerliche Familien verschuldeten sich, um ihre Tiere am Leben zu erhalten oder siedeln in ein andere Gebiete um.

Den Menschen in diesen Regionen ergeht es wie vielen Ländern des Globalen Südens: Sie haben kaum etwas zum globalen Kohlendioxid-Ausstoß beigetragen, bekommen aber die Auswirkungen umso härter zu spüren. Oft kommen – so wie im Irak – die Folgen einer verfehlten Wasserpolitik hinzu.