EU: Die Lebenserwartung der Bürger seit 1990 um sechs Jahre gestiegen

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OECD-Studie: Deutschland liegt mit 81,2 Jahren im EU-Durchschnitt

Die Deutschen essen zu wenig Gemüse und trinken zu exzessiv. Vielleicht ist damit zu erklären, dass sie zwar im eine Lebenserwartung von immerhin 81,2 Jahren (83,6 Jahren bei Frauen und 78,7 Jahren bei Männern) haben, die dem EU-Durchschnitt entspricht, aber "ab Mitte 50 schon um ihre Gesundheit kämpfen", wie es die Welt formuliert.

Die plakativen Aussagen sind einem europaweiten Vergleich entnommen, inwieweit man sich selbst angesprochen fühlt, obliegt dem eigenen Interpretationsspielraum und der Sorge ums Wohlbefinden - und manchmal auch einem nationalen Selbstverständnis. Herausgehoben wird die Sache mit Gemüseanteil beim Essen zum Beispiel von der französischen Zeitung Le Monde.

In Frankreich, wo man dem Hörensagen nach quer durch die Schichten Wert auf gutes Essen legt, wird ein Gemüse-Anteil von 57,6 Prozent festgestellt, womit das Land zur Spitzengruppe gehört. In Deutschland liegt er bei 34,1 Prozent. In Italien, wo man der Erfahrung nach besser und wahrscheinlich auch gesünder isst als in Frankreich, beträgt der Gemüseanteil 60,7 Prozent. Übertroffen wird Italien von einem Land mit gewöhnungsbedürftigen Essen, nämlich Großbritannien, mit 65,7 Prozent Gemüseanteil. An der Spitze liegt Belgien mit sage und schreibe 78,5 Prozent Gemüseanteil.

Der Bericht, den die OECD und die EU-Kommission nach jahrelanger Auswertung von "Millionen Daten" nun veröffentlicht haben, trägt den Titel "Gesundheit auf einen Blick: Europa 2016" und ist natürlich nicht mit einem Blick zu erfassen.

Trotz des großen Wurfs sträuben sich die einzelnen Phänomen gegen allzu genaue Beobachtungen und Deduktionen, wie man am Beispiel Essen sehen kann. Gesundes Essen ist seit Jahren Anlass für viele Debatten. Die Statistiker haben sich damit begnügt oder mussten sich damit begnügen, den Gemüseanteil als Indikator zu nehmen.

Als wichtigste Kennzahl wird die Lebenserwartung behandelt und in der Zusammenfassung herausgestellt. Es ist erstmal eine Erfolgsmeldung.

Seit 1990 ist die Lebenserwartung in den Mitgliedstaaten im Durchschnitt um mehr als sechs Jahre gestiegen, von 74,2 Jahren auf 80,9 Jahre. Allerdings gibt es größere Unterschiede zwischen den Ländern: Die mittel- und osteuropäischen Länder schneiden schlechter ab. In Lettland liegt die durchschnittliche Lebenserwartung bei 74,5 Jahren, in Estland bei 77,4, in Ungarn bei 76 Jahren, in Rumänien bei 75 Jahren und in Bulgarien bei 74,5.

Doch zeigen die Lebenserwartungsziffern, die wie zum Beispiel im Le Monde-Bericht sportlich wie eine Tabelle genommen werden (Frankreich ist dritter mit 82,8 nach Spanien - 83,2 - und Italien - 83,3) auch, dass sie nur Teile einer Wirklichkeit wiedergeben. Denn hinter Estlands Zahl versteckt sich ein Erfolg, weil das Land am meisten zugelegt hat, nämlich 7,5 Jahre seit 1990. In Italien und Frankreich ging sie laut Bericht 2015 zurück.

Es gibt große Ungleichheiten zwischen den Ländern und innerhalb der Länder in der Gesundheitsversorgung, lautet ein weiterer Eckpunkt der OECD/EU-Kommissions-Analyse. Deutschland ist Spitzenreiter bei den Ausgaben für die Gesundheitsversorgung, zusammen mit Schweden. Hierzulande werden 11,1 Prozent des BIP für die Gesundheitsversorgung ausgegeben. Litauen und Rumänien liegen hier am Ende der Skala.

Im genannten Le Monde-Bericht lassen Grafiken zum Tabak- und Alkoholkonsum sehr anschaulich erkennen, dass die Werte in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen sind. Auch in der Auswertung der Zeitung die Welt Welt heißt es, "dass Erwachsene hierzulande demnach 2014, dem Jahr, aus dem die aktuellsten Daten vorliegen, weit weniger Alkohol als noch im Jahr 2000 konsumieren" - allerdings wird dies gekoppelt mit folgender Beobachtung:

Der Anteil der Erwachsenen über 15 Jahren, die regelmäßig innerhalb kurzer Zeit sehr viel Alkohol trinken, ist in nur vier europäischen Ländern höher als in Deutschland; unter Frauen ist das Rauschtrinken gar nur in Dänemark verbreiteter.

Die Welt

Eine allgemein deutliche Steigerung gegenüber vorhergehenden Jahren ist übrigens in der Le-Monde-Grafik zur Fettleibigkeit zu sehen, eingeschlossen Frankreich, Italien und Spanien. "Spitzenreiter" ist hier Großbritannien, gefolgt von Deutschland. (Thomas Pany)