Diese Opfer forderten bundesrepublikanisch-deutsche Kriege

The "Frontier Myth" als Freibrief für Gewalt

Zum überheblichen Bewusstsein der US-Administration (Exeptionalismus der USA, siehe auch Texte und Vorträge von Professor Rainer Mausfeld auf Youtube) und der sie stützenden Bevölkerungsminderheit in den USA, gibt es verschiedenste Einschätzungen von US-Amerikanern selbst.

Der Vorwurf, die USA sei ein verhaltensgestörter imperialistischer Kriegstreiber, wird etwa in den Büchern von Michael Moore, Noam Chomsky und anderen Intellektuellen immer wieder geäußert. US-Kabarettisten entwickelten daraus bitterböse Auftritte, wie etwa George Carlin, der hier das US-Kriegsbewusstsein sprechen lässt: "What? They have bigger dicks??! Bomb them!!"

Die Kaltschnäuzigkeit der US-Amerikaner ist nach Meinung von Jon Tirman auf den Begriff "The frontier myth" (nach Richard Slotkin) zurückzuführen. Nach diesem Mythos stehen US-Amerikaner stets an einem Ort, wo gleich nebenan die Zivilisation endet.

Er sanktioniert Gewaltanwendung, wenn sie dazu dient, "Wilde" zu unterwerfen oder zu vernichten, die der Eroberung neuen Landes durch US-Amerikaner im Wege stehen. "Während Jahrhunderten ist der "Mythos Grenze" eine der unverwüstlichsten nationalen Erzählweisen gewesen."

Demgemäß lässt sich der Begriff der "Wilden" noch beliebig ausweiten. So wurden dazu auch "schlitzäugige" Asiaten gezählt, wie in Vietnam und Korea, muslimische "Kameltreiber und Turbanträger" wie im Irak und Afghanistan, "Anhänger des Diktators" wie in Syrien, militante Islamisten oder sonstige Repräsentanten "gesetzloser Kulturen", die es für die USA mit allen Mitteln zu unterwerfen galt und noch gilt. So schrieb, laut Tirman, auch Robert D. Kaplan 2004 im Wall Street Journal:

Die Metapher vom roten Indianer ist eine Gedankenstütze, die unter Vertretern der liberalen Nomenklatura Unbehagen auslöst; Feldoffizieren der Armee und der Marineinfanterie aber leuchtet sie ein, weil sie die Herausforderungen des Kampfes im frühen 21. Jahrhundert perfekt widerspiegelt.

Deshalb wohl lautete der militärische Codename für die Operation zur Tötung Osama bin Ladens im Mai 2011 auch: "Geronimo".

Über das pure Töten hinaus geht die Schuld ja noch erheblich weiter. Die USA, und damit auch ihr Bündnispartner Deutschland, sind auch für 37 Millionen Flüchtlinge nur in den letzten beiden Jahrzehnten, also nur im neuen 21. Jahrhundert, verantwortlich, wie das Watson Institute for International and Public Affairs an der Brown University in Providence, Rhode Island, in einer Studie herausarbeitete.

Viele weitere interessante Studien zu US-Interventionen finden sich auf der Site des Watson-Instituts, wie beispielsweise die Opferzahlen und Kosten aller US-Interventionen im Irak seit 1960.

Eine objektive Darstellung der niederträchtigen Gründe für verdeckte oder offen geführte US-Kriege kommt in deutschen Standard-Medien, also im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, in Zeitungen privater Verleger oder in Internetredaktionen von etwa E-Mail-Anbietern kaum vor.

Die wirklichen Verantwortlichkeiten für all diese schrecklichen Taten werden stets routinemäßig unterschlagen und verdreht. Es hat schon etwas von System, wie immer nur die Sicht deutscher Bundesregierungen gestützt wird, die sich seit Jahrzehnten wirtschaftlich, militärisch und vertraglich fest im Griff des transatlantischen Lobbyismus befinden.

Dieser menschenverachtende Kadavergehorsam deutscher Diskursführer gegenüber den USA besitzt zutiefst irrationale Züge. Wenn es Deutschland wirklich um Menschenrechte ginge, müsste unser Staat den USA in einer betont lauten öffentlichen Diskussion erklären, dass die weitere Zusammenarbeit ab sofort an bestimmte Bedingungen geknüpft wird.

Die Zusicherung Deutschlands im Nordatlantikpakt, der Nato, die sogenannte "Vandenberg-Resolution", nach der "jedes europäische Land für die Zusage der USA, es zu verteidigen, auch zusagen müsse, die USA zu verteidigen", muss auf den Prüfstand.

Da Deutschland diese Verteidigung der USA ja niemals militärisch leisten könnte, hat es sie jahrzehntelang in Form von Parteinahme für die USA in sämtlichen Konflikten umgesetzt. Wer jedoch Verbrechen deckt, wird selbst zum Verbrecher.

Standard-Medien als Kriegstreiber

Auch andere Verbindungen, umfangreiche wirtschaftliche Verflechtungen, vor allem aber der Einfluss US-amerikanischer Oligarchen und Investoren in die Redaktionen deutscher Zeitungsverlage hinein, müssen unter dem Eindruck der bis heute andauernden Gewaltexzesse der USA überprüft werden.

Vor allem müssten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in dieser Sache eine klare Gegenposition zur Berichterstattung der privaten Medien beziehen.

Gerade sie, die doch unabhängig von unreflektierter Parteinahme für die USA sein sollten, müssen endlich ihre Scheuklappensicht und ihre schon totalitär zu nennende Haltung aufgeben und für die Menschenrechte und gegen die in vielfältigsten Formen stattfindenden US-Kriege eintreten.

Der USA weiterhin die Treue zu halten, ist doch längst nicht mehr begründbar, schon gar nicht, wenn man als Bundesregierung in irgendeiner Weise nach Solidarität mit gefährdeten Menschen ruft. Ein seit Ende des Zweiten Weltkriegs unbestrittener Konsens in der deutschen Öffentlichkeit war doch, dass von Deutschland nie mehr ein Krieg ausgehen sollte.

Wie aber will man demgegenüber begründen, dass von Deutschland die Duldung von Krieg ausgeht, ja dass mithilfe dieser Duldung der Kriege des großen "Verbündeten", diese Kriege erst führbar werden?

Liegt dies nicht auch längst schon in dem menschenverachtenden Bereich, vor dem Deutschland sich hüten müsste? Aus welchem Grund sollte Deutschland dieses willkürliche Töten und Zerstören des durchgedrehten "Weltpolizisten" weiter durchgehen lassen?

Weil die USA weltweit angeblich immer nur für die "Freiheit" eintritt, und dass deshalb alles, was die USA tun, gut sein muss? Was ist das für eine Freiheit, bei der es nur um den Vorrang amerikanischer Interessen und die Idealisierung des US-Exzeptionalismus geht?

Und sind wir in Deutschland nicht schon ebenso gefährlich weit verroht wie die USA? Beispielsweise ist uns gleichgültig, was im Jemen-Krieg mit gelieferten deutschen Kriegsgeräten geschieht. Saudi-arabische Kriegstreiber mit Unterstützung der USA halten mit aus Deutschland gelieferten Schiffen seit Jahren eine Seeblockade aufrecht, um den jemenitischen Widerstand auszuhungern. Mit deutscher Unterstützung wird dort Hunger als brutale Kriegswaffe eingesetzt.

Die Wochenzeitung Der Freitag schreibt:

Die 85.000 seit Kriegsbeginn im Jemen verhungerten Kleinkinder wurden ermordet. Von der Saudi-Emirate-Koalition, die - ermöglicht einzig durch die Unterstützung des Westens - Hunger als militärische Waffe missbraucht. Und damit durchkommt.

Eine große Hilfsorganisation, die bereits seit 1963 im Jemen arbeitet, schreibt:

Nach Schätzung von Save the Children sind 85.000 Kinder seit dem Kriegsbeginn im Jahr 2015 an extremem Hunger gestorben. Tag für Tag steigt diese schreckliche Zahl an.

Und auch die BBC berichtete, der Independent und andere Medien. In Deutschland müsste das Thema jeden Tag in die Nachrichten, gerade weil deutsche Schiffe und Waffen an diesem Krieg beteiligt sind. Das stillschweigende Einverständnis deutscher Politik mit diesem Verbrechen müsste öffentlich angeprangert werden.

Der Journalist Jakob Reimann schreibt:

Die beschämende Wucht dieser Bilder der jemenitischen Kinder, die ihre letzten physischen Kräfte für gelegentliche Atemzüge aufwenden, gerade so noch nicht tot, ist ein Schlag ins Gesicht des Menschheitsgewissens. Als monströses Zeugnis der Schande menschengemachten Elends sollten sie ebenso ihren Weg ins kollektive Bewusstsein finden wie die Bilder der ausgemergelten Buchenwald-Häftlinge oder die der vom Agent Orange missgebildeten Kinder in Vietnam. Doch der Jemen scheint unendlich weit weg, der brutale Krieg findet einfach keinen Platz in der öffentlichen Wahrnehmung.

Wird damit nicht der eigentliche Skandal deutlich? Sind die Buchenwald-Häftlinge, die allein auf das Konto Deutschlands gingen, nicht Anlass genug, um auch gegen heutige politische Morde zu intervenieren?

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Teile der deutschen Bevölkerung, deren Bezeichnung als "Hitlers willige Vollstrecker" nicht unbegründet ist, in die Kinos getrieben, damit sie dort US-amerikanische Filmaufnahmen aus deutschen KZs wie Buchenwald anschauen.

Sollte man nicht auch alle Wähler jener heutigen deutschen Parteien, die Waffenexporte ermöglichen, in die Kinos verpflichten, um ihnen dort Aufnahmen der zerbombten Städte und der halbtoten Kinder im Jemen vorzuführen?

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