Die schönsten Medien-Enten des letzten Jahres

Von saufenden Prinzessinnen, schwulen Fußballern und falschen Terroristen

Feiern und Saufen - das können die Engländer ja. Auch in den allerhöchsten Ständen. Und daher verwundert es kaum, wenn das englische Boulevard-Blatt „Sun“ von der Geburtstagsparty der 16-jährigen Prinzessin Eugenie of York berichtet, bei der es feuchtfröhlich zugegangen ist. Knutschende, saufende und kotzende Teenager tobten demnach durch die Schlafzimmer. Und bestens abgefüllt natürlich mit Champagner, aber auch hochprozentigem Schnaps demolierten sie schließlich das Haus. „And rooms were TRASHED, with carpets stained and cigarettes stubbed out on furniture as the March 18 party continued into the early hours, to the strains of a blaring disco.“

Das fand natürlich auch unsere „Bild-Zeitung“ höchst interessant und berichtete ebenfalls über diese wilde Prinzessinnen-Party. Doch leider stand der redaktionseigene Saufgelagen-Beschreiber an diesem Tag etwas neben sich und brachte beim Schreiben so einiges durcheinander (siehe: BILDblog). Was ja mal passieren kann. Doch das Schönste an dieser blaublütigen Sauferei ist, dass sie nie stattgefunden hat. Was die „Sun“ später in einer Korrektur offen zugibt.

Dieser nette Text wurde nun von der Internetseite Regret the Error, die auf Korrekturen und Berichtigungen in den Medien spezialisiert ist, zur Korrektur des Jahres 2006 gewählt. Aber auf der veröffentlichten Liste The Year in Media Errors and Corrections werden noch eine ganze Reihe weiterer Medien-Enten gewürdigt. So hatte die „Chicago Tribune“ berichtet, dass ein US-Politiker namens Florida Cresswell 1999 wegen Körperverletzung („battery“) verurteilt worden sei. In Wirklichkeit hatte er jedoch nur eine Batterie („battery“) gestohlen. Auch der Bericht der „Sun“ über den schwulen Sex, den zwei prominente englische Fußballspieler mit einer bekannten Person der Musikindustrie angeblich gehabt haben sollen, entpuppte sich als Ente. Und das erwähnte Handy, dass die drei dabei als „gay sex toy" verwendet haben sollen, war natürlich auch Unsinn.

Selbst eine deutsche Tageszeitung ist auf der Liste vertreten: Die Lüneburger Landeszeitung, die neben einem Bericht über das KZ Auschwitz ausgerechnet die Werbung eines Energiekonzerns platziert hatte: „E.ON sorgt schon heute für das Gas von morgen.“ Und eine der Medienente schaffte es sogar bis in die englischsprachige Ausgabe von Wikipedia. Das auf Fakes und seltsame Zahlenspielereien spezialisierte Online-Magazin Gullible.info hatte nämlich geschrieben, dass Timothy Leary unter LSD-Einfluss eine neue Primärfarbe entdeckt, die er dann „Glendale“ genannt habe. Auf diese Geschichte fiel übrigens auch „The Guardian" herein.

Und auch in diesem Jahr werden die Betreiber von „Regret the Error“ wieder alle Hände voll zu tun haben. Gerade eben hat sich „The Guardian“ dafür entschuldigt, dass in einem Bericht die ukrainische Hauptstadt Kiew nach Russland verlegt worden ist. Und CNN war es äußerst peinlich, dass ein Text über Osama bin Laden die Überschrift trug: „Where's Obama?" Barack Obama ist nämlich kein Terrorist, sondern träumt davon, US-Präsident zu werden. Aber das kann man ja angesichts der aktuellen US-Politik durchaus mal. (Ernst Corinth)