Die haben Frisbees erwartet, keine Bomben

Freiwillige Schutzschilde verlassen Bagdad und werden mit Häme bombardiert

Sie fuhren in den Irak, um sich als menschliche Schilde an Einrichtungen wie Brücken, Krankenhäusern, Wasserwerken etc. zu postieren und auf die Bomben zu warten (vgl. Bagdad sehen und sterben). Sie hofften, dass mehr als 10 000 von ihnen kommen würden, um sich zwischen die Kämpfenden zu stellen, so dass es nicht mehr möglich wäre, "Kollateralschäden" zu entschuldigen (vgl.Aufmerksamkeitswaffen).

Aber es kamen nur ein paar Hundert freiwillige Schutzschilde und weil sie nicht zahlreich genug sind, um eine große "Aufmerksamkeitsbombe" zu entzünden und den Krieg zu verhindern, reisen die meisten jetzt wieder nach Hause zurück. Sicherheitsgründe spielen auch eine Rolle, ebenso aber der Entschluss der irakischen Regierung, "ihre" Schutzschilde (für deren Unterkunft sie auch sorgten) vor allem vor strategischen und nicht vor zivilen, humanitären Einrichtungen zu postieren. Die Entscheidung, was sie schützen, wollten die Aktivisten aber verständlicherweise, immerhin boten sie den höchsten Einsatz, selbst treffen. Die Solidarität für das irakische Volk lässt sich offenbar, wenn man an Ort und Stelle mit Saddams Schergen konfrontiert ist, nicht ungestört ausleben.

Man hatte uns gesagt, wir würden zu Schulen und Krankenhäusern gehen. Aber plötzlich heißt es, wir können da nicht hin. Unter diesen Umständen funktioniert unsere Strategie nicht.

Ken O'Keefe, einer der Sprecher der menschlichen Schilde

Ich traue diesen Leuten nicht mehr. Ich glaube nicht, dass wir hier machen dürfen, was wir wollen. Ich war hier um Kinder und ganz normale Iraker zu treffen. Ich möchte nicht zu einem Kraftwerk gehen, um es zu schützen.

Nathan, ehemaliges zukünftiges Schutzschild

Der Vorwurf, sich vom Irak instrumentalisieren zu lassen, war den menschlichen Schilden wiederholt gemacht worden, Ende Februar hatte US-Verteidigungsminister Rumsfeld die Verwendung von menschlichen Schutzschilden als "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" bezeichnet. Erst Unterstützer des Kriegsverbrechens, jetzt Feigling, das ist der Weg, den die Human Shields in der rechten US-Presse gegangen sind. Denn ihre Rückkehr beschert ihnen böse Häme.

"Die menschlichen Schilde rennen weinend nach Hause", titelt Newsmax und geht gleich in die Vollen:

Es sieht so aus, als seien diese "human shields", die behaupteten, sie würden Saddam Husseins völkermordende Diktatur beschützen, etwa so tapfer wie ein Franzose im Schützenloch: Sie rennen nach Hause zurück, so schnell ihre dünnen Beine sie tragen.

Bild: RushLimbaugh.com

Diese Idioten dachten wohl, sie kämen in den Irak, um Frisbee zu spielen und Kinder auf die Schaukel zu setzen. Sie dachten wohl, dass sie in ihrer Freizeit gebratene Ziegenaugen essen und eine super Zeit mit dem guten alten Saddam haben würden.

RushLimbaugh.com

Vor einigen Tagen noch hatte ein bekannter italienischer Schriftsteller öffentlich dazu aufgefordert, den Papst als menschliches Schutzschild in den Irak zu senden. Aus Italien war übrigens auch schon Bernhardinerhund "Gustavo" als erstes "hündisches Schild" in den Irak gereist. (Michaela Simon)