Der nächste DMCA-Fall

Hollywood verklagt Anbieter von DVD-Kopiersoftware

Am Donnerstag haben sieben große Hollywood-Studios gemeinsam eine Klage gegen den Softwarehersteller 321 Studios eingereicht. Ihr Vorwurf: Die von der Firma vertriebenen Programme zum Kopieren und Konvertieren von DVD-Inhalten verstoßen gegen den DMCA.

Kaum ist ein umstrittener Prozess auf Grundlage des Digital Millennium Copyright Acts (DMCA) zu Ende (Elcomsoft freigesprochen), da kündigt sich bereits der nächste an. Wegen eines Verstoßes gegen das DMCA-Verbot, Kopierschutztechnologien zu umgehen, wurde jetzt die kleine Softwarefirma 321 Studios aus Nevada verklagt. Stein des Anstoßes sind die von ihr vertriebenen Programme "DVD Copy Plus" und "DVD X Copy", mit denen sich Film-DVDs kopieren lassen.

Den ersten Schritt in der Auseinandersetzung mit Hollywood hat 321 Studios allerdings selbst gemacht, als es im April diesen Jahres präemptiv die sieben Studios verklagte (David gegen Hollywood). Der Grund: Vertreter der Filmwirtschaft hatten die Software der Firma in Interviews als illegal bezeichnet. Mit der Klage sollte deshalb höchstrichterlich festgestellt werden, dass die Programme legal sind.

Wie digitale Brecheisen

Noch bevor ein Richter entscheiden konnte, ob das Verfahren aufgenommen wird, reichten die Studios nun ihre Gegenklage ein. Als Grund für das jetzige Aktiv-Werden verweisen Vertreter der Studios darauf, dass das erst im November erschienene Programm "DVD X Copy" dem Konflikt eine neue Dimension gebe. Dessen Vorläufer erlaubte lediglich die Erstellung von minderwertigen DivX-Kopien. "DVD X Copy" ermöglicht dagegen das verlustfreie Kopieren auf DVD-Rohlinge. 321 Studios beruft sich jedoch darauf, dass die Software nicht den CSS-Schutz einer DVD knackt. Statt dessen fange es die Audio- und Videosignale ab, nachdem diese von einem DVD-Player dekodiert wurden. Damit verstoße man nicht gegen den DMCA.

Das Urteil der Filmwirtschaft ist dagegen eindeutig. Studio-Anwältin Patricia Benson wird von AP mit den Worten zitiert, dies sei, als ob jemand ein digitales Brecheisen verkaufe. Ein Vergleich, den der als SDMI-Cracker bekannt gewordene Princeton-Professor Edward Felten nicht unkommentiert lassen konnte:

"Ms. Benson wäre sicher schockiert, wenn sie erführe, dass ein Händler namens "Ace Hardware" hier im verschlafenen Princeton, New Jersey, ganz öffentlich Brecheisen verkauft."

(Janko Röttgers)