Der Name "Shock and Awe" steht für Qualität

Das soll nun auch für Feuerwerk und Grillsoßen gelten

Wenn es nach dem Willen einer amerikanischen Feuerwerksfirma geht, dann droht womöglich auch uns in der Silvesternacht dieses Jahres "Shock and Awe". Und einer wird sich darüber wohl am meisten ärgern: Harlan Ullman. Zwar gilt der US-Militärexperte als Erfinder der Wortkombination "Shock and Awe", weil er bereits im Jahre 1996 diesen Begriff in einer Publikation verwendet hat, um damit einen Militärschlag zu beschreiben, der den Feind so schockiert, dass er vor "Ehrfurcht" ("awe") die Kampfhandlungen einstellt. Doch da Ullman damals vergessen hat, diesen Begriff als Markenname beim amerikanischen Patent and Trademark Office anzumelden, ist die Wortkombination bis heute noch frei und ungeschützt. Aber nicht mehr lange.

Schon Wochen vor dem Irak-Krieg hat das US-Militär bekanntlich dafür gesorgt, dass ständig über eine mögliche "Shock and Awe"-Taktik geredet und geschrieben worden ist. Nachdem dann aus dem Gerede plötzlich blutiger Ernst geworden ist, hat sofort das Unternehmen Sony reagiert und nach der ersten Bombennacht in Bagdad versucht, den Begriff als Markenname für ein noch zu entwickelndes Spiel anzumelden. Weil dies viele in Japan und in Europa für geschmacklos gehalten haben, ist dieser voreilige PR-Schuss allerdings nach hinten losgegangen. Und die Firma Sony hat inzwischen kleinlaut erklärt, dass sie auf "Shock and Awe" verzichten werde.

Dennoch ist der Begriff dabei, sich zu einem echten Renner und zu einer wirklich tollen PR-Granate zu entwickeln. Aber nicht nur als Bezeichnung für ein richtig explosives "Shock and Awe"-Feuerwerk, sondern mittlerweile haben sich 19 Firmen beim "US Patent and Trademark Office" gemeldet, die diese Wortkombination als Markennamen für eines ihrer Produkte schützen lassen wollen. Darunter sind Hersteller von T-Shirts, von Energiegetränken und von Computerspielen. Darunter ist aber auch ein Unternehmen, das diese mörderische Militärtaktik für so geschmackvoll hält, dass es tatsächlich eine "Shock and Awe"-Grillsoße herstellen möchte. Ob die Verantwortlichen dabei an die verbrannten Opfer der Bombenangriffe gedacht haben, ist leider nicht bekannt. (Ernst Corinth)