Den Papst klonen

Klonen ist die Antwort auf Demokratie

Warum sollte sich der Papst dem Klonen von Menschen logisch widersetzen? Natürlich müßte das Ideal der katholischen Kirche sein, daß eine Million Päpste oder eine Million Wojtylas gibt. Ist der Papst etwa kein guter Katholik? Warum sollten dann nicht alle Katholiken wie der Papst sein? Warum sollten sie nicht alle mit ihm identisch sein? Und alle Anglikaner mit dem Erzbischof von Canterbury? Und alle Tibetaner mit dem Dalai Lama?

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Klonen ist die Antwort auf die Demokratie. Man braucht keine Wahlen, keine Politiker, Verhandlungen oder Parlamente mehr. Warum soviel Zeit und Mühen aufwenden, um zu einem Konsens zu finden? Klonen eröffnet einen aboluten Konsens, den Heiligen Gral der Demokratie.

Träumen die Liberalen nicht von einem Land der Unternehmer, wo jeder strebsam, flexibel, wettbewerbsfähig, anstellbar und genetisch dafür ausgerüstet ist, die Herausforderung der Globalisierung anzunehmen? Genau das ist jetzt möglich. Und dabei muß es keine Ungerechtigkeiot mehr geben: Jeder kann eine gesamte Gesellschaft mit ihren idealen Mitgliedern haben. Mindestens 80 Millionen Deutsche, die dem Kanzler treu ergeben sind, mindestens 60 Millionen neue Briten, die für die Wissensgesellschaft geeignet sind. Und auch mindestens 80 Millionen Öko-Feministen, die sich genetisch angefeuert 18 Stunden am Tag der Friedensarbeit widmen.

Warum sollte sich jemand dem widersetzen? Klonen könnte die Welt bis zum Jahr 2050 mit 10 Milliarden genetisch programmierten Gegnern des Klonens. Wäre das nicht die Welt, die die Gegner des Klonens wünschen? Und wenn sie eine andere Welt wünschen, in der es auch Klonforscher gibt, warum bekämpfen sie dann die Klonforscher?

Die schreckliche Wahrheit ist dies: Die Menschen lieben die Welt, wie sie ist. Die Klongegner wollen Klon-Laboratorien. Diese wiederum wollen die Demonstranten vor ihren Türen. Die Öko-Feministen wollen, daß es die militaristischen Erbauer von Atomkraftwerken gibt. Die nationalistischen Nuklearingenieure wollen, daß es die pazifistischen Öko-Feministen gibt.

Auf diese Weise bleibt die Welt weitgehend, wie sie ist und wie sie war. Hinter der Wertschätzung des Konsens in einer gemischten Gesellschaft liegt verborgen ein tieferer Wert. Isaac Newton vermachte dem Liberalismus seinen heiligen Gral, das Geheimnis, nach dem die konservativen Despoten Tausende von Jahren lang gesucht haben: nicht Gewalt, sondern das Gleichgewicht von Kräften sichert die Stabilität. Deswegen verdammt der Papst die Klonforschung, die Katholiken hervorbringen könnte, die sich genetisch gegen die Klonforschung richten. Deswegen werden die Klonforscher ein Gesetz gegen das Klonen brechen, um den Demonstranten gegen das Klonen die Möglichkeit zu eröffnen, Demonstranten gegen das Klonen zu klonen. Zusammen gehen wir alle nirgendwo hin, und das ist es, was die Menschen lieben.

Die englische Version mit Links: Clone-a-Pope

Aus dem Englischen übersetzt von Florian Rötzer (Paul Treanor)