Das bisschen Haushalt...

...kann doch nicht so schlimm sein, sagt meine Frau - Die Umerziehung des Mannes

Gegenwärtig geschehe in unserem Land eine Umerziehung größeren Ausmaßes beklagte vor einigen Tagen der Medienwissenschaftler Norbert Bolz in gewohnt deutlichen Worten (vgl. "Selbstverwirklichung ist Idiotismus"): Einer „verblüffenden Allianz zwischen Feministinnen, Politikern und Bevölkerungswissenschaftlern“ gehe es „um die Konstruktion einer anderen männlichen Geschlechterrolle“, um den „neuen Mann“.

Aus dem Versorger soll ein Fürsorger werden, um den Frauen, die Mütter sind, ebenfalls eine Karriere zu ermöglichen, so Bolz im Interview. Dieses familienpolitische Programm richte sich „im Kern gegen die sexuelle Arbeitsteilung. Also gegen das Modell: die Frau zu Hause, der Mann auf der Jagd nach dem Profit.“ Für Bolz ist das in etwa so attraktiv, wie Badewasser mit Vanilleduft für einen Cowboy; er wittert die Feminisierung des Mannes, seine Entmännlichung und beruft sich dabei zuletzt auf das Urteil von Frauen:

Offiziell loben ja alle den "neuen Mann", der Hausarbeit und Kindererziehung 50:50 mit seiner Frau teilt. Aber werden solche Männer tatsächlich von Frauen begehrt? Hier ist Skepsis angebracht, denn die Welt des Begehrens ist eine ganz andere als die Welt der Political Correctness. Denn man kann leicht beobachten, dass Frauen Männer verachten, die sich von anderen Männern dominieren lassen und es nicht schaffen, sich in ihrer Lebenswelt Respekt zu verschaffen. Frauen mögen Männer, die karriereorientiert, fleißig und ehrgeizig sind.

Vieles spricht für diese These: Unzählige Forumsbeiträge, die aufgrund eigener Erfahrungen über das Evergreen-Paradoxon lamentieren oder echauffieren, wonach Frauen zwar offiziell den fürsorglichen, netten Typen einfordern, aber wenn‘s darauf ankommt zu den „Alphatierchen“ überlaufen. Aus einer privaten Email:

Nach meinen Beobachtungen lassen sich viele Frauen noch lieber schlagen, alsdass sie auf einen Mann mit Schürze stehen. Das hält sie dann aber nicht ab, zu jammern über die Hausarbeit... Das mag in einigen Schichten/Generationen nicht mehr ganz so krass sein... aber dennoch... ich bin ja schließlich der "schwule Freund" dem man so was dann - nach viel Alkohol - erzählt.Wenn man sich die Sache dann fallweise mal genauer anschaut, sind die Schläger meist die viel größeren Weicheier als die Schürzenträger. Aber das wird irgendwie nicht so wahrgenommen, oder wenn dann nur intellektuell und nicht gefühlsmäßig. Die schlimmsten männlichen Feiglinge/Weicheier habe ich übrigens unter Sportlern gefunden. Ich meine Menschen in deren Leben der Sport eine sehr große Rolle spielt. Keine Ahnung warum das so ist. Vielleicht auch nur Zufall.

„The Man comes around“ - Kommt er um dabei?. Holen wir doch das legendäre Mannsbild aus dem Reich der Toten für eine kurze Vorstellung in einen Haushalt unserer Tage. Johnny Cash darf ruhig weiter seine schwarze Sängerkluft tragen. Die Küchen-Schürze, die in Polemiken, um die es hier geht, immer erwähnt wird, gehört in alte Muff-Truhen, die zieht heute keiner mehr an, außer Barmänner in Venedig und München, aber das ist eine andere Geschichte. Johnny Cash also beim Abspülen, Kehren, Wischen, wie er kleine Kinder an-und auszieht, die Einkäufe in die Schränke stellt, kocht, einem Baby die Milchflasche gibt, Windeln wechselt und die Tasche für den Kindergarten einpackt. Lächerlich? Oder doch sexy? Eine Entzauberung? Oder nach wie vor ein Idol mit Role-Model-Power?

Man könnte die Figur im fraglichen Bühnenbild auch mit Robert de Niro, George Clooney, Keith Richard, Dieter Bohlen, Gerhard Schröder oder Ehud Olmert besetzen: alles Männer, die imagemäßig nicht gerade als Weicheier rüberkommen. Würde sich das ändern, wenn sie privat im Haushalt mithelfen, sich die Arbeit mit ihrer Frau teilen? Würden sie zum nicht begehrenswerten Neutrum, verschwimmen in der „androgynen Mitte“, verblassen in einer Welt, die Ritalin und Prozac braucht und das zerstörische Gift der Political Correctness von Feministen und Softies?

Vor wenigen Wochen hat Familienminister von der Leyen bei einem Stern-Interview den neuen Mann gefordert und die alten Alphatierchen als überholt bezeichnet. Übernimmt Norbert Bolz nun den Part des kernigen Alphatierchens, das den modischen Richtungsbestimmungen widersteht?

Mit dem Wort "Reaktionär" versucht man, Abweichler mundtot zu machen. Und mit dem Wort "Macho" führt man einen Schaukampf, in dem eigentlich die Männlichkeit selbst bekämpft wird. Nehmen wir uns also ein Beispiel an Rocky und steigen wir noch einmal in den Ring.

Es wird also einmal wieder darum gebeten, sich anzupassen und nur wer sich dem widersetzt, bleibt ein echter Mann? Und alle diejenigen, die bei Umfragen angeben, dass sie sich bei der Erziehung ihrer Kinder mehr engagieren wollen und zu mehr Unterstützung im Haushalt bereit wären, sind entweder Heuchler oder entmannte Softies?

Dem steht neben unterschiedlich überzeugenden und amüsanten Anschauungen über das, was einen Mann ausmacht, schon mal die prosaische Realität gegenüber: Nur wenige Haushalte mit Kindern können sich Angestellte leisten. Der Doppelverdienst ist oft eine reine Überlebensfrage, wenn man nicht in Ampermoching leben will. Und auch die Haus-Arbeit muss getan werden. Dass Mann und Frau sich diese teilen, ist keine ideologische „Neukonstruktion“, sondern ergibt sich aus der blanken Notwendigkeit. Der Mann, der gut verdient und nie zuhause ist, hat wiederum meist eine notorisch beleidigte Ehefrau. Zum anderen zeigen sich in der Hausarbeit, wie in vielen anderen Arbeitsbereichen, sehr wohl Geschlechtsunterschiede: Männer werden durch Hausarbeit nicht femininer. Sie streichen Butterbrote anders, wickeln anders, putzen anders und kochen besser (kleiner Scherz am Schluss). (Thomas Pany)