Das Verbrennen der Amerikaner in Khursan

Neue Terrorvideos fürs Handy

Leute, die auf und mit ihren Videohandys schon alles gesehen haben: Schlägereien, Sex und fröhliche Partybilder, die können sich jetzt auch den Terror aufs Gerät laden. Natürlich nicht richtigen Terror, der könnte ja ziemlich schnell krachend in die Hose gehen, sondern Videos von Anhängern der al-Qaida. Diesen neuen kostenlosen Service bietet im Netz die Globale Islamische Medien-Front an, ein Online-Sprachrohr der al-Qaida-Propaganda.

Der neueste Film, der erst seit wenigen Tagen dort heruntergeladen werden kann, trägt den viel versprechenden Titel „Die Hölle der Abtrünnigen in Somalien“. Das klingt nicht nur nach einem Horrorstreifen, sondern der Film selbst ist ein einziger Horror. Rund eine Stunde lang führen einen die unbekannten Filmemacher in ein Land, das bei uns besser bekannt ist als Somalia. Dort tobt bekanntlich ein blutiger Bürgerkrieg, aber über dessen Hintergründe erfährt der Zuschauer rein gar nichts. Stattdessen werden ständig Leichen gezeigt – vermutlich die Abtrünnigen aus dem Titel des Films. Dazu erklingt recht martialische Weltmusik.

Vereinzelt sieht man dann irgendwelche Kampfhandlungen. Und in schöner Regelmäßigkeit bärtige Männer, die offenbar was zu sagen haben, und dies mit einer solchen Lautstärke, dass es einem schnell die Freude am Zuhören verleidet. Verstehen tut man übrigens sowieso nichts, in der Hölle der Abtrünnigen in Somalien wird konsequent Arabisch gesprochen beziehungsweise geschrieen. Lustig ist der Film also nicht, obwohl gleich zu Anfang das Porträt von Osama bin Laden wie eine Seifenblase heiter durch das Bild schwebt. Der einzige gelungene Gag dieses misslungenen, witzlosen und arg verwackelten Horrorstreifens.

Bessere Qualität hat dagegen ein Kurzfilm aus der bestimmt populären Reihe „Das Verbrennen der Amerikaner in Khursan (Afghanistan)“. Er trägt den Titel „Beschuss des amerikanischen Stützpunktes in Khost, mit Raketen.“ Und wer nun dramatische Aufnahmen eines Beschusses sehen möchte, dessen voyeuristische Erwartungshaltung wird vom ebenfalls unbekannten Regisseur subtil enttäuscht. Der Film spielt nämlich in der Nacht, zu einer Zeit also, wo es in Afghanistan wegen des großen Mangels an Straßenlaternen besonders dunkel ist. Dennoch ist das kaum zu sehende Geschehen spannend – dank einer äußerst authentisch wirkenden Kameraführung, die stark an das „Blair Witch Project“ erinnert und wohl auch erinnern soll. Und das Wenige, was man dann doch sieht, sind schemenhafte Aufnahmen von bärtigen Männern, die offenbar mit irgendwas irgendwohin schießen und dazu laut Allah hochleben lassen.

Ein Film, der, um es kurz zu machen, clever mit der Phantasie seiner Zuschauer spielt. Und trotz seines reißerischen Titels auf jegliche Gewaltszenen verzichtet. Ein Muss für jeden Videohandy-Besitzer! (Ernst Corinth)