Damenbild mit Gruppe

Oben: Konrad Adenauer, Ludwig Erhard, Kurt Georg Kiesinger, Willy Brandt. Unten: Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder, Angela Merkel. Bilder: Wikimedia Commons Konrad Adenauer Bild: Bundesarchiv. Das Bild "Bundesarchiv B 145 Bild-F078072-0004, Konrad Adenauer.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 3.0". Der Urheber des Bildes ist Katherine Young. Ludwig Erhard Bild: Bundesarchiv. Das Bild "Bundesarchiv B 145 Bild-F041449-0007, Hamburg, CDU-Bundesparteitag, Ludwig Erhard.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 3.0". Der Urheber des Bildes ist Engelbert Reineke. Kurt Georg Kiesinger Bild: Gemeinfrei Willy Brandt Bild: Bundesarchiv
Das Bild "Bundesarchiv B 145 Bild-F057884-0009, Willy Brandt.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 3.0". Der Urheber des Bildes ist Engelbert Reineke. Helmut Schmidt Bild: Bundesarchiv. Das Bild "Bundesarchiv Bild Hemut Schmidt 1975 cropped.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 3.0". Der Urheber des Bildes ist Dieter Demme. Helmut Kohl Bild: Bundesarchiv. Das Bild "Bundesarchiv B 145 Bild-F074398-0021, Bonn, Pressekonferenz Bundestagswahlkampf, Kohl.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 3.0". Der Urheber des Bildes ist Engelbert Reineke. Gerhard Schröder Das Bild "Gerhardschroeder01c.jpg" und steht unter der "Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen"-Lizenz 2.0". Der Urheber des Bildes ist Hinrich. Angela Merkel Das Bild "Angela Merkel 2008 croped.png" und steht unter der "Creative Commons-Lizenz Attribution ShareAlike 2.5.". Der Urheber des Bildes ist Aleph.

Die Republik ist 60 - Von Konrad Adenauer bis Angela Merkel

Fast unbemerkt ereignet sich am heutigen Tage ein kleines Jubiläum. Am 15. September 1949 wurde Konrad Adenauer erster Kanzler der damals neu etablierten westdeutschen Bundesrepublik. Die DDR-Gründung fand knapp einen Monat später statt, am 7. Oktober 1949. Der Nachfolge-Staat dieser beiden Teilstaaten, die heutige Bundesrepublik, die sich vor 20 Jahren die DDR einverleibte, ist damit 60 Jahre alt geworden. Rechtzeitig zum Jubiläum stellt sich die erste Frau in einer langen Reihe männlicher Vorgänger als Kanzlerin zur Wiederwahl.

Betrachtet man sich die Herrschaften in diesem Gruppenbild mit Dame etwas genauer, kommt man um ein leichtes Kichern, aber auch um eine gewisse - sagen wir mal - ach sagen wir doch mal einfach - auch um eine gewisse Hochachtung nicht ganz umhin. Adenauer war natürlich überhaupt der Knaller. Geboren am 5. Januar 1876, war er, bitte mal mitrechnen, am 15. September 1949 satte 73 Jahre alt, als er Bundeskanzler wurde. Ich vermute, da haben viele Leute gedacht, "den Alten setzen wir jetzt mal dahin, bis wir jemand anderen gefunden haben; dauert ja nicht lange."

Ich sehe so richtig einen Kiesinger vor mir, der sein überhebliches Nazi-Grinsen noch immer, wie eh und je, spazieren trug, und wohl dachte, "dann bin ich bald dran." Aber Adenauer hat allen diesen Leuten einen Strich durch die Rechnung gemacht, indem er volle 14 Jahre, bis zum 15. Oktober 1963, das Ruder fest in der Hand hielt und keinen anderen ran ließ. Als die Kollegen von der CDU darauf bestanden, Ludwig Erhard zum Kanzler zu machen, rief Adenauer: "Den nicht!" und als Erhard drei Jahre später wegen totaler Unfähigkeit abtreten musste, rief Adenauer - IMMER NOCH im Parlament: "Der erste is schon mal wech!"

Adenauer ist mit 90 noch nach Israel gereist, obwohl er dort auch auf Menachem Begin stoßen musste, den Terroristen, der ihn ein paar Jahre früher durch eine Briefbombe töten lassen wollte (gestorben ist bei der Explosion stattdessen ein Postbeamter). Ein paar Jahre später hat Begin dann, als israelischer Premierminister, einen Friedensnobelpreis erhalten. Adenauer hätte man mit so einem Preis kaum beeindrucken können. Er hatte schon 23 Ehrendoktorwürden kassiert.

Er war ein interessanter Mann. Im März 1957 ist er, 81 Jahre alt, unterwegs im Iran. Bild: Archiv Tom Appleton

Es ist noch kalt, Adenauer schreitet ganz ohne Stock oder fremde Hilfe allen voran dem Fotografen entgegen. Vorne links im Bild sehen wir Libet, seine damals 29jährige Tochter. Adenauer war ab 1948, mit 72, quasi alleinerziehender Vater geworden, mit immerhin noch zwei Kindern unter 20. Seine Frau wurde noch 1945 von der Gestapo so nachdrücklich heran genommen, dass sie 1948 an den Folgen starb. Ende 1957, nicht weit entfernt von seinem 82. Geburtstag, fuhr Adenauer das beste Wahlergebnis ein, das die CDU je erreicht hat. Das Wirtschaftswunder erreichte seinen ersten Höhepunkt, die BRD war auf dem gleichen Stand angelangt wie Hitler-Deutschland 1937, als es sich in die Startlöcher begab, um den Zweiten Weltkrieg anzuzetteln.

Dabei hätte Adenauer auch schon 1920, mit 44, ein junger deutscher Kanzler sein können. Wenn wir mal davon ausgehen, dass Hitler als junger 44jähriger 1933 als Kanzler an die Macht kam. 1933 war Adenauer schon älter als Hitler jemals werden würde. Aber wer nun die Bundesrepublik über diese 60 Jahre seit 1949 mitverfolgt hat und zugleich auch als SPIEGEL-Leser angefangen hat, dem sind wohl weniger die Gesichtszüge der BRD - Adenauer, Brandt, Kohl, Merkel - ins Gedächtnis eingebrannt, als jede fiese Nuance in den Nazi-Fressen der Hitler-Zeit. Das nannte sich dann im SPIEGEL "die Vergangenheit aufarbeiten." Weswegen denn auch jeder Leser und jede Leserin heute mit jedem Nazi-Gesicht so vertraut ist, als sei es der eigene Großvater. "Opa, bist du das da neben dem Onkel Adolf?" - "Nein, das ist der Himmler, der hatte auch so eine Brille wie ich." Es hat auch zu einem ganz natürlichen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit in Deutschland (West) geführt.

Mir hat in der Nähe von Bayreuth ein älterer Herr, Cherokee-Fahrer, innerhalb von fünf Minuten, ganz ohne jede Zurückhaltung (oder Scham), offen dargelegt, er sei ja als früherer SS-Mann in amerikanische Gefangenschaft geraten und hätte sich seitdem eben seine Liebe zum Jeep beibehalten. Es hat also 60 Jahre (ich bin heute etwas kabbalistisch unterwegs) - fünfmal so lang - gebraucht, um diese 12 Jahre der Nazi-Katastrophe einigermaßen in kleine handliche Stücke zu zermahlen, die man jetzt konversationsmäßig fast in einen Nebensatz einfließen lassen kann. So findet dann die Generation der Alt-Nazis mit der Generation der Jung-Nazis schmerzlos zusammen.

Ich habe damit meine Probleme, aber ich lebe auch nicht in Deutschland. Ich finde den Film von Michail Romm - "Der gewöhnliche Faschismus" - keine ausreichende Auseinandersetzung mit der Hitler-Zeit, aber er bietet ein Minimum. Eine Minimalleistung, die (so oder in vergleichbarer Form trotz Dutzender Nazi-Dokus in TV-Sendern landauf & landab) in Deutschland nie eine Parallele fand. Stattdessen hat man 60 Jahre lang daran gearbeitet, die Nazi-Zeit in den Acker der Bundesrepublik unterzubuttern, in der Krume zu verbuddeln, für das Heute fruchtbar zu machen.

Mir sind ja dann fast die Augen aus dem Kopf gepurzelt, als ich Peter Schamonis "Majestät brauchen Sonne" sah. Es ist der beste deutsche Dokumentarfilm, den ich je gesehen habe und sicher EIN deutscher Film aus den letzten 60 Jahren, der ungefragt und sofort einen Oscar verdient hätte. Schamoni ist es gelungen, eine Welt, die vollkommen hinter den Gebirgen der Nazi-Zeit verschwunden war, die unsichtbar geworden oder geblieben war, wieder sichtbar zu machen. Es ist ein wahres Zauberkunststück - und die Ausrede, "Ja aber den Film gibt es ja nirgendwo auf DVD zu kaufen", kann man auch nicht gelten lassen, denn es gibt diesen Film umsonst und in voller Länge jederzeit bei Google Videos abzurufen.

Screenshot "Majestät brauchen Sonne"

Das Spannende war für mich auch, zu erkennen, dass Hitler buchstäblich den "Kanzler" abgeschüttelt hat, sich aber auch nicht zum "Kaiser" machen konnte. Er wählte deshalb den Phantasie-Titel, "der Führer". Hitler war buchstäblich ein Schmieren-Schausteller, der den Kaiser gemimt hat. Der den Deutschen vorgaukeln konnte, ein "neuer" Kaiser sei wiederauferstanden und führe das Volk diesmal in den Krieg und damit zum Sieg. Ein Verrückter, dessen Verrücktheit dem kollektiven Wahn gerade recht zu pass kam.

Betrachtet man sich den Romm-Film und den Schamoni-Film Seite an Seite, fallen einem die Aha-Erlebnisse quasi im Dutzend zu.1

KEIN vergleichbares Film-Erlebnis gibt es über die Adenauer-Zeit. Adenauer war länger Kanzler, als die Weimarer Republik überhaupt gedauert hat. Er war gewählter Vertreter des Wahlbezirks Bonn im Bundestag über 18 Jahre hinweg, er erfand kuriose Dinge, spielte Boccia, pflanzte Rosen, er war einfach interessant. Gewiss, die Bösen sind immer noch interessanter. Über "Nixon" musste einfach ein Film gemacht werden, auch wenn es echte Probleme mit dem Casting gab. Anthony Hopkins sieht als "Nixon" fast genauso bescheuert aus wie als "Picasso". Bei Adenauer ist das Problem sicher noch größer. Es hat in 60 Jahren keinen Menschen gegeben, der jemals wieder so ausgesehen hätte wie der Alte, und selbst Bruno Ganz wäre wirklich super fehl besetzt gewesen in einem Adenauer-Film. Interessant dagegen Adenauers Gegenspieler. Der Mann mit dem 08/15 Gesicht.

Ich sah einmal ein Foto, in einer dieser interessanten DDR-Wochenzeitschriften wie "Horizont". In einem DDR-Altersheim: lauter alte Männer. Es war sicherlich kein Look-Alike-Contest, denn für solche Witzchen gab es in der DDR keinen Platz. Trotzdem saßen da beisammen 25 alte Männer, alle mit Glatze, alle mit weißem Spitzbart. Ulbricht hätte sich dazu setzen können, und jeder Möchtegern-Assassin hätte verzweifelt unter den Doppel-und Dreifachgängern nach dem "echten" Objekt seiner Mordlust fahnden können. Umsonst! So kam es denn auch, dass die ungleichen Galionsfiguren der ungleichen Republiken wie die Teddybärchen in jenem Werbefilm für die länger laufende Batterie sich gegenseitig Konkurrenz machten, wer den längeren Atem hätte. Nun, Adenauer trat 1963 ab, mit 87 Jahren, Ulbricht blieb bis 1971 dran, da war er 78.

Man hat oft das deutsche System kritisiert, im Vergleich zum amerikanischen, weil zwar der Kanzler für vier Jahre gewählt wird, aber endlos oft wieder gewählt werden kann. In der Praxis erweist sich das deutsche System als dem amerikanischen gleichwertig. In Amerika hat es einmal eine Acht-Jahres-Sequenz gegeben mit DREI Präsidenten (1972 bis 1980, mit Nixon-Ford-Carter) aber dafür dann eine fast 30jährige konservative Herrschaft mit Reagan, Bush & Bush, kurz unterbrochen von der Clinton-Phase. Alle amerikanischen Präsidenten des vergangenen Jahrhunderts, bis auf Carter, waren Mitglieder der Freimaurer-Loge, gleich welcher "Partei" sie angehören mochten. In Deutschland wäre die SPD nie ans Ruder gekommen, wenn die CDU sich nicht fallweise so erstaunlich blöd angestellt hätte. So kamen in Deutschland von 1963 bis 1974, in elf Jahren, eine Handvoll Kanzler ans Ruder, der frühzeitig verbrauchte Zigarrenraucher Ludwig Erhard, der Alt-Nazi Kiesinger, der einfach alt gewordene Willy Brandt, der eben mal kurz für zehn Tage einspringende Walter Scheel, und der Kettenraucher Schmidt Schnauze. Eine Art Keith Richards der deutschen Politik.

Jeder dieser potentiellen Kanzler kam ins Amt, als er schon zu alt dafür war, denn keiner von ihnen war ein Adenauer, der noch mal mit 73 hätte neu anfangen können. In Amerika wurde letztes Jahr ein 72jähriger ins Rennen geschickt, in diesem Jahr hören wir schon nichts mehr von ihm. Wie hieß er doch gleich noch mal? Das Ehepaar Reagan, schon betagt, bot Staatsschauspielerei. Beide konnten brillant tanzen, und der Präsident schlief viel. Er hatte noch sein eigenes Haar (eine Grundvoraussetzung für amerikanische Präsidenten), aber gefärbt. Seine Reden verstand er selber nicht, er las sie vom Blatt. Er war dement, bevor er real in die Demenz abglitt. Er war der Depp der Nation, gilt heute trotzdem als beliebtester Präsident. In Amerika ist die Präsidenterei zu einem Fernseh-Stück verkommen, die filmischen Präsidentenmärchen ("Dave" mit Kevin Kline, Sigourney Weaver, Ben Kingsley) gelten als näher an der Wirklichkeit, weil sie die Wunschvorstellungen des weitgehend unpolitischen Publikums deutlicher artikulieren & gefühlsechter erfüllen als die echten Präser.

In Deutschland hat es keinen Film gegeben über Adenauer, nicht einmal über Hitler - den stellvertretend für alle anderen bis ins (einzige) Ei durchleuchteten deutschen Politiker - gab es einen Film. Eben bis zum "Untergang". Dass Brandt von seiner eigenen Partei ins Kanzleramt vorgelassen wurde, obwohl er erkennbar dafür nicht mehr taugte, wäre einen Film wert gewesen. Dass der BND auch nach 25 Jahren noch nicht jenen 16 Schläfern aus der DDR auf die Spur gekommen war, die Brandt schließlich, wie die Liliputaner einen Gulliver, am Boden knebeln konnten, scheint mir einen spannenden Thriller wert - aber niemand hat ihn gedreht. Brandt hätte einen guten Bundespräsidenten abgegeben. Schlafen bis zehn, ein paar Hände schütteln, und dann einen kleinen Cognac. Der Mann war einfach umfassend schlecht beraten. Aber die CDU nicht minder. Einen Mann, der in New York in Begleitung von zwei Prostituierten und im Besitz einer illegalen Schusswaffe aufgegriffen wird, durfte man im Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten natürlich weiterhin in der Politik walten lassen - aber ihn als Kanzlerkandidaten aufzustellen war reine Zeitverschwendung.

Franz Josef Strauß war außerhalb Bayerns unwählbar, ebenso wie der andere CSU-Mann, den die Bayern gegen den zweiten Hannoveraner (nach Kaiser Wilhelm) ins Rennen schickten. FJS wäre einen Film wert gewesen, während Castor und Pollux, die beiden ununterscheidbaren Charaktermasken aus der TV-Polit-Werkstatt, "Versuchen Sie den Unterschied zu finden" völlig UN-interessant waren. Über Angie soll es nun einen Sat1 Film geben. Regenbogenbuntes fürs Gemüt der Landfrauen. Gähn. Auch die Brandt-Schmidt-Jahre stellen ein etwas überlanges Zwischenspiel dar, sozusagen die Ära Kohl im Wartezustand, eine große Zeitverschwendung für Kohl. Im Film "Der Baader-Meinhof-Komplex" kommen die SPD-Bundeskanzler denn auch nicht mal am Rande vor.

Kohl, geboren April 1930, war 1974, als Brandt abtreten "musste" (eine ziemlich undurchsichtige Geschichte, nach meinem Gefühl; es wurden - teils mit amerikanischer Hilfe - überall auf der Welt linke Politiker abgesägt: Allende in Chile, Whitlam in Australien, der später ermordete Palme in Schweden, usw.), 44 - das richtige Alter, um in die Kanzlerei einzutreten. Stattdessen musste er weitere acht Jahre warten, und betrat schließlich, übergewichtig, schon stark verbraucht, 1982 das Amt, mit 52. Dass er 16 Jahre lang Kanzler blieb, bis 68, beeindruckt mich wenig. Er hätte auch noch die acht Jahre der Helmut-Schmidt-Zeit dazu nehmen können, dann wäre er auf beeindruckende 24 Jahre gekommen. ZUFÄLLIG fällt der Kollaps der DDR in Kohls Amtszeit. Gorbatschow, ein echter Don Quichotte der sowjetischen Politik, kam und verkündete "Wer zu spät kommt, den bestraft die Geschichte". Eine etwas schönsprecherische Umwandlung des Sprichworts: "Wer nicht kommt zur rechten Zeit, der muss essen was übrig bleibt". Kohl, ein Mann der kaum seinen Bauch kontrollieren konnte (um wie viel weniger seinen Kopf), hörte daraus nur eines: es galt, sich möglichst rasch die DDR einzuverleiben.

"Wiedervereinigung" mochte für Adenauer noch etwas von der Zusammenführung schmerzhaft getrennter Liebespaare beinhalten. Bei Kohl bedeutete das Wort nur noch möglichst rasches Auffressen aller Ressourcen. Statt eines Marshall-Plans der Osthilfe, statt kontrollierter Annäherung getrennter Gesellschaften, ging es ihm um die sofortige Plattwalzung, die Territorialplanierung für die westliche Wirtschaft. Seit den Zeiten Adenauers hatte sich Politik zur reinen Handlangerschaft für die Wirtschaft gewandelt, der Staat war im Begriff sich aufzulösen - wie in Amerika - zugunsten einer reinen Medien-Darsteller-Truppe, die vor irgendwelchen Kameras irgendwelche Sprüche von sich gab.

In der DDR gab es nach Ulbricht keinen Bedarf nach Parteienwechsel, nur sollte der nächste Kandidat nach Möglichkeit kein Sachse sein. Es fand sich ein Saarländer, für DDR-Begriffe ein Außerirdischer. Nach knapp 20 Jahren gab es für ihn nur noch die Flucht nach Chile, ein Land, das immer noch unter dem Schatten Pinochets stand - ironischerweise wurde er in Chile deshalb so gnädig empfangen, weil die DDR den Verfolgten des Pinochet Regimes so zahlreich Zuflucht gewährt hatte. Die BRD Kohls behandelte die "befreite" DDR, als hätte sie das Land im Krieg unterworfen, bzw. als hätte sie soeben den Dritten Weltkrieg gegen Hitler-Deutschland gewonnen; und zog eine Reihe von Nürnberger-Prozessen gegen DDR-Funktionäre durch.

Einer von Hitlers Lieblingshunden hieß Stasi - in der DDR war die Stasi eine Organisation, die ihre weiblichen Bediensteten offenbar mit westlichen Nylonstrümpfen versorgte. Ich fuhr im Winter 1988, ein Jahr vor dem Mauerfall, einmal von Berlin nach Köln und saß in meinem sonst leeren Wagon & Abteil in Begleitung von zwei jungen Frauen, denen ich ausführlich über Neuseeland erzählte. Und darüber, wie sexistisch ich die DDR-Zeitungen fand, und so weiter fort. Am Ende von circa zwei Stunden fragte ich sie: "Und? Was macht ihr so?" Daraufhin zierten sie sich mit der Antwort. Ich sagte: "Naja, ist ja wohl auch so klar. Oder?" Sie verließen dann bald das Abteil mit einem freundlichen "Tschüss". Ich vermute, um ihren kleinen Bericht zu schreiben. Normalerweise arbeitete die Hälfte der Bevölkerung für die Stasi und die andere Hälfte wurde überwacht.

Hätte die BRD nicht diese Akten unter Verschluss genommen, wäre ein Teil von Stasi-Beamten verbrannt worden; die Bevölkerung hätte einige Stasi-Leute, die sie in die Hände bekommen hätte, an Chausseebäumen aufgeknüpft. Obwohl so was auch nach der Nazi-Zeit in Deutschland selten vorkam. Der Schatten der potentiellen Enttarnung seiner früheren Stasi-Zugehörigkeit schwebt bis heute über jedem Ostdeutschen und dient damit als eine Art kollektiver Knüppel zur Niederhaltung der annektierten Bevölkerung in den "neuen Bundesländern."

Natürlich - so muss ich vermuten - hatte auch Angela Merkel eine Stasi-Akte. Sie wird keine Informantin gewesen sein; auch wenn sie keinen Wert darauf legt, Fotos aus jener Zeit der Öffentlichkeit vorlegen zu lassen.

Ich vermute aber, der ehemalige Kulturattaché bei der sowjetischen Botschaft in Wellington, Neuseeland - Vladmir Putin - hat bessere. Der junge Putin ist zwar von den neuseeländischen Sicherheitsdiensten mehrfach abgelichtet worden, die Fotos wurden auch diversen Zeitungen zugespielt. Aber die Fotos, die Putin von seinen deutschen Freunden hat, dürften anderer Art sein, freundschaftserhaltendere.

Der BND weiß sicherlich von nichts, ich vermute, das ist gründlich untersucht worden, denn Angie stand ja lange unter einem speziellen Naheverhältnis zu Helmut Kohl. Freilich hat Helmut Kohl seine weiße Weste (wir nehmen von deutschen Politikern immer an, dass sie eine weiße Weste besitzen) auch ein wenig bekleckert. Und nach Hannelores Selbstmord 2001 hatte er wohl auch nicht mehr die rechte Lust, sich seiner kleinen Schutzbefohlenen anzunehmen.

Ob sie so was wie Kohls Guillaume war ist mir nie so richtig klar geworden, aber Parallelen zur Ära Brandt überblättere ich an dieser Stelle, gleichermaßen wie die gesamte Ära Rot-Grün, und will mich insbesondere zu Schröder nicht äußern, da er angeblich Journalisten bereits vor den Kadi zieht, wenn sie an der Echtheit seiner Haarfarbe Zweifel hegen. Einige unter seinen besten Freunden haben sogar einen noch wesentlich harscheren Umgang mit Presseleuten. Das alles ist, wie ich meine, ein Prozess einer schleichenden Ent-Demokratisierung, die es in diesem Rahmen sogar geraten erscheinen lässt, Bilder aus den Weiten des Internets nur anklickbar statt sichtbar anzubieten. (Wenn sie dort nicht mehr zu finden sind, muss man sie sich eben in der Phantasie vorstellen; ich liefere dazu die Bildbeschreibung.)

Ich stelle hier nun ganz dezent ein (unsichtbares) Bild in den Text hinein. Es zeigt Angela Merkel in etwas jüngeren Jahren im deutschen Bundestag, und hinter ihr einen sichtlich erheiterten Gerhard Schröder.

Ich finde die Körpersprache interessant, möchte mich aber auch dazu nicht äußern. Ich möchte gar keine Vermutungen darüber anstellen, was Schröder in diesem Moment gedacht haben mag. Nur eines hat er mit ziemlicher Sicherheit nicht gedacht. Und das, was er NICHT gedacht hat, darf man, glaube ich, ungestraft sagen. Er hat sicher mit keinem Gedanken daran gedacht, dass DIESE Frau ihn jemals als Bundeskanzler ablösen können würde.

Übrigens hat das vor vier Jahren auch sonst niemand geglaubt. Ich schrieb einen Artikel, in dem ich behauptete, "Angie" würde jetzt Kanzlerin werden und es dann auch 15 Jahre lang bleiben. Hier bei Telepolis hielt man den zweiten Teil dieser Aussage für Phantastik und der ersten Teil für Narretei. (Der Artikel ist auch nicht erschienen.)

Aber um ein paar beiläufige Beobachtungen zur deutschen Kanzlerin anzubringen. Ich wühlte mich durch Google auf der Suche nach ein paar Illustrationen. Da gibt es Karikaturen - sogenannte Karikaturen - in Hülle und Fülle. Nun vertrete ich, außerhalb dieses Artikel und in jedem beliebigen Kunst-Kontext, die These, dass "die Deutschen" grundsätzlich nicht zeichnen können, im Vergleich zu den Holländern, Italienern, Amerikanern, etc - oder nur in Form eines "hässlichen Realismus." Die Künstler und Zeichner sind sozusagen "keinen Schuss Pulver wert" - und das meine ich buchstäblich von Dürer bis Dix. Der Deix ist wieder anders. Er ist zudem ein Österreicher. Wo man sagen kann, "Mei ja, wie der den Leuten das schlechte Gebiss ins Gesicht zaubert, und immer die Ärsche so hochrot und die Geschlechtsteile exponiert - aber immer gut gezeichnet und ein paar blöde Sprüche dabei!" - ja, sie sind hässlich, entlarvend hässlich, aber auch komisch.

Komisch ist hingegen in deutschen Landen so gut wie nie jemand. George Grosz, der Mann mit dem bösen Strich, wanderte nach Amerika aus, und bemühte sich verzweifelt, ein amerikanischer Illustrator zu werden - es gelang ihm nicht. Ich hatte erst heute wieder Friedrich Karl Wächters "Anti-Struwwelpeter" in der Hand und habe fast Tränen der Rührung vergossen. Wächter stand als Zeichner so in etwa in der Tradition eines Wilhelm Busch oder Ludwig Richter, er schaffte also heitere Zeichnungen - aber auch er war kein Karikaturist. Es ist erstaunlich, wie gehässig und rein AD HOMINEM (auf persönliche Verunglimpfung und Verächtlichmachung) deutsche Karikaturisten unterwegs sind, wenn sie nicht ganz und gar epigon "amerikanisch" daher kommen. Sie zeichnen, ach Quatsch, sie photoshoppen völlig phantasielos eine verzerrte Fratze der Merkel nach der anderen und halten das (a) für witzig und (b) für eine Karikatur. Das heißt, weil sie eh nicht zeichnen können gibt's noch nicht mal das Vergnügen, wie bei einem Deix, dass man sich wenigstens über die Zeichenkunst freuen könnte. Man hat das Gefühl, man sieht in ganz Deutschland nur immer wieder ganz, ganz miesen Deix-Adepten zu, die nix können. Und keinen Witz haben. Also da bleibt auch jede POLITISCHE Aussage außen vor, nur die reine Häme bleibt. Widerlich. Die wirklichen Karikaturen zur Kanzlerin muss man sich gewissermaßen selber denken.

Also dann, die Fotos. Hier ist eines, das sie mit Helmut Kohl zeigt. (Ich hab es bei Google nicht wieder finden können. Wir müssen es uns daher vorstellen.) Merkel hat noch nicht die heutige Siegerin-Frisur, sondern die Angelegte-Dackel-Ohren-Frisur, die ihrem Mentor signalisiert, "Du darfst mich als dein braves Hundi betrachten". Während Kohl seitwärts hinab ihr etwas zuzuflüstern scheint, signalisiert der Blick seiner Zuhörerin allerdings ein geduldiges Ausharren. Man vermutet ein Stoßgebet. "Oh Gott, verleih mir Geduld". Andere Fotos zeigen Angela Merkel als Barbie-Puppe (Sonderanfertigung) oder bei der sinnlichen Begrüßung des amerikanischen Präsidenten.

Wenn man Fotos von ihr aus jüngeren Tagen sieht (und sie haben zusehends Seltenheitswert), steht da z.B. eine gut aussehende, "fesche" Frau , in sicherlich selbst-geschneiderter DDR-Mode, das Telefon überraschenderweise am rechten Ohr. Nett. Und hier, bei einem Empfang in Bayreuth, mit dem abgelegten Opernkleid von Golda Meir. Oder sie hat ihre alte, halb-blinde Schneiderin aus der DDR beibehalten. Das muss die Menschen in den neuen Bundesländern unheimlich moralisch aufbauen, auch wenn das Kleid wirklich daneben aussieht.

Lothar de Maiziere und Angela Merkel 1990. Bild: Bundesarchiv, Bild 183-1990-0803-017 / Bernd Settnik / CC-BY-SA 3.0

Es heißt, Angela Merkel sei "von Haus aus" Physikerin. Ich habe allerdings noch nirgendwo das Merkel'sche Äquivalent des Barbara Meier-Tests gesehen, der die Frage eindeutig klären würde. Das Super-Model Barbara Meier aus Regensburg wurde ja damals ständig als "Mathematikstudentin" geführt, bis irgendwelche Leute2 ihr eine einfache Kopfrechnungsaufgabe vorlegten und das ganze als Filmchen bei You Tube deponierten.

Das hier ist die Aufgabe:

Der Lehrer einer Dorfschule bittet seine Schüler, sich in Dreier-Reihen aufzustellen. Sie tun es, es bleiben aber 2 Schüler übrig. Dito in Vierer-Reihen. Es bleiben zwei übrig. Erst, als sie sich in Fünfer-Reihen aufstellen, klappt die Sache. Restlos. Wie viele Schüler gibt es in der Schule?

Barbara Meier fand die Antwort nicht.

Welche Physik-Frage könnte man Angela Merkel so en passant vorlegen? Um ihre Physik-Kenntnisse zu testen? Wie hieß Albrecht (sic) Einstein mit Vornamen? Das wäre wohl zu einfach. Vielleicht sollte man sie fragen, was ihr, als Physikerin, rein spontan, bei dem Wort "ASSE" einfällt? Oder ob sie weiß, was die Halbwertszeit von Plutonium ist?

Warum ich glaube, dass Angela Merkel sich einem solchen YouTube-Test nicht stellt? Es ist der gleiche Grund, warum ich glaube, dass sie 15 Jahre Kanzlerin bleibt. Ich glaube, dazu hat Volker Pispers was Gutes gesagt. (Früher gab es politische Kabarettisten, beispielsweise einen Wolfgang Neuss. Heute bringen Sozialkundelehrer ihre Volkshochschulkurse als Kabarett dar. Und das Publikum lacht dazu. Weil es nichts kapiert.) Pispers, einst im Mai, vor stark erheitertem Kicherpublikum:

Meine Damen und Herrn! Ich mache jetzt seit dreizehn Jahren Kabarett über Helmut Kohl. Seit dreizehn Jahren! Ich bin es satt. (Beifall.) Seit dreizehn Jahren lachen die Leute über Helmut Kohl, und alle vier Jahre wählen sie ihn wieder zu ihrem Bundeskanzler. Das ist doch wie ein Mensch, der immer um denselben Häuserblock spazieren geht, bei jeder Runde in denselben Scheißhaufen tritt, und sich dann eine Runde lang darüber aufregt, warum seine Schuhe so stinken.

Das Gleiche sagt er heute über Angela Merkel. Verräterischerweise macht Pispers auch Witze über das deutsche Wahlrecht und man merkt: das Publikum lacht, obwohl es überhaupt nicht kapiert, worum es geht. Es ist also nicht nur das Kabarettpublikum entpolitisiert, auch das normale Wählervolk versteht nicht, was Politik eigentlich soll. Ich war früher sehr für ein Verhältniswahlrecht, weil das reine Mehrheitswahlrecht ungeheure Mengen von Wählerstimmen in den Orkus schickt. Heute, wo die Parteien aus ein oder zwei Charaktermasken bestehen und der Rest der Truppe aus gesichtslosen Funktionären, bin ich auch in der Bundesrepublik für ein rückhaltloses Mehrheitswahlrecht.

NUR der Kandidat oder die Kandidatin, die direkt gewählt werden, sollen auch einen Sitz im Bundestag bekommen. Die Pappkameraden auf den Listenplätzen fallen weg. Klar, dass die Politiker dann immer noch käuflich sein werden, wie in den USA. Klar auch, dass die großen Firmen in jedem Wahlbezirk nur ihre eigenen Kandidaten aufstellen und bezahlen. Das tun sie jetzt auch schon, siehe die Spendengeldaffäre Helmut Kohl. Der Regierung müsste im eigenen Interesse (behaupte ich jetzt mal so) daran gelegen sein, per Gesetz echte demokratische Chancen für jeden Kandidaten zu garantieren. Also das heißt Spendengeldoffenlegung bereits vor der Wahl usf. Das wird nicht passieren, nicht zuletzt deshalb, weil die schleichende Ent-Demokratisierung eben eine Ent-Politisierung des gesamten Politikprozesses mit sich bringt.

Die Frage, "Wie konnte Hitler damals demokratisch an die Macht kommen?" lässt sich leicht beantworten. Genau wie heute auch. Es muss nicht überall Wählereinschüchterung à la Afghanistan oder Wahlbetrug à la USA stattfinden. Es reicht ein Wahlsystem wie in Deutschland oder Italien. Egal was die Leute WOLLEN - sie bekommen Berlusconi oder Merkel.

Weil der politische Prozess keine anderen Ergebnisse mehr zulässt. Und natürlich auch, weil dem politischen Prozess der Zahn gezogen worden ist. Ein Staat, der über 100 Jahre hinweg angehäuftes Volksvermögen - siehe Bundesbahn - an irgendwelche Gschaftlhuber verkauft, die das System zuschanden reiten bis der Staat es dann wieder zurückkaufen muss, hat seine politische Legitimität bereits im Vorfeld verspielt. Ein Adenauer hätte mit einem solchen Staat gar nichts anzufangen gewusst. Die Wähler, die dem System heute noch ein Feigenblatt der Legitimation verleihen, sind natürlich die Gelackmeierten. In 30 Jahren wird man SIE nicht mehr fragen, "Wie konntest du das tun?" - denn sie werden in der Regel die Alten sein, die damals gemeint haben, Bürgerspflichten hätten noch Sinn und Bestimmung gehabt.

Wenn die Ära Merkel-PLUS (plus Merkel-Nachfolge, also in circa 30 Jahren, 2040) abgelaufen ist, werden auch diese Wähler abgestorben sein. Oder sich der Wahl enthalten. Der politische WÄHL-Prozess wird sich dann mit WAHL-Geschenken der Wirtschaft und dergleichen bei circa 10 bis 20 Prozent eingepegelt haben. Amerika hier immer als Vorreiter. Wahlbeteiligung bei Obama, die höchste seit 100 Jahren, also seit 1908: 66 Prozent. In Deutschland 2005: immer noch 77.7 Prozent. Ich vermute, dass bei der jetzt anstehenden Merkel-Wahl noch knapp 70 Prozent wählen werden, in acht Jahren hat Deutschland dann auch die Obama-Marke erreicht. Und da der Ent-Politisierungsprozess sich rasant beschleunigen wird könnte man in Deutschland wohl bis 2020 mit Wahlbeteiligungen "um" 50 Prozent rechnen. Bis 2040 ist das Wählen als politischer Akt "gestorben". Wir wählen ja heute auch nicht "Facebook" oder "Volkswagen."

Warum wird Angela Merkel bis 2020 Kanzlerin bleiben? Weil sie eine Frau ist. Sie kommt aus Ostdeutschland, sie ist gewissermaßen die Vermählung des Prinzips Ost und West, und das konnte nur in einer weiblichen Verkörperung stattfinden. Ein männlicher Ulbricht als Kanzler der Bundesrepublik wäre undenkbar gewesen. Es konnte nur eine Frau diese Rolle übernehmen, und dass sie Angela - die Engelsgleiche - heißt, ist fast schon eine göttliche Fügung. Einzig in der CDU möglich, nicht in der SPD oder bei der Linken. Auf einer etwas trivialeren Ebene ist es so, dass Frauen in der Politik (ebenso wie in vielen anderen beruflichen Zweigen) von ihren männlichen Kollegen nur im Alter von 18 bis 38 "Ernst" genommen werden, weil sie als potentielle Sexualpartner wahrgenommen werden. Einer Sophia Loren erlaubt man den entblößten Busen noch mit 70, einer normalen Frau um oder über 50, wie Angela Merkel, kreidet man es an, wenn sie einmal, wie vor einiger Zeit geschehen, öffentlich Oberweite zeigt.

CDU-Wahlplakat

Es war freilich ein subtiler Machtbeweis der Kanzlerin. Kohls "Hundi" hätte sich das nicht erlauben dürfen, die Kanzlerin kann machen was sie will. Frauen über 50 werden von anderen Männern quasi nicht mehr als Frauen, sondern als "Männer" wahrgenommen, aber nicht als ernsthafte männliche Konkurrenten. Das ist der eine Punkt in dem sich ihre Gegner irren. Der zweite ist dieser: die Kanzlerin hat die Zeit auf ihrer Seite. Während Männer in aller Regel mit 50 oder 60 massiv abbauen, starten Frauen ab 60 erst richtig durch. Angela Merkel kann problemlos die nächsten 10 oder 20 Jahre im Amt bleiben und wäre damit erst in den Anfangsgründen der Adenauer'schen Altersdimensionen angelangt. Steinmeier, dem Mann mit dem vollen weißen Haar und dem herzlichen Dauerlächeln, kann man nur alles Gute zur Bundespräsidentschaft wünschen. Schade, dass da jetzt schon dieser Köhler sitzt. Vielleicht hält er aber noch ein paar Jahre durch, als Juniorpartner in der nächsten Großen Koalition. Vielleicht mit einer etwas weniger zwickerhaften Brille? Eine irgendwie reelle Chance, Angie vom Thron zu vertreiben, hat er jedenfalls nicht.

Den kleinen deutschen Landesfürsten, männlich, die hier immer wieder mal zur Macht drängen, fehlt einfach das Durchhaltevermögen und die Mentalität des Schläfers, der 15 oder 20 Jahre abwartet, bis er zum Einsatz kommt. Angela wird ihnen ihre Allonge-Perücken und ihre kleinen Fürstentümer schenken und Deutschland als kleines Königtum im Herzen Europas einigeln. So vermute ich, dass im Umfeld von Angela Merkel sich allmählich eine Art ereignisloser DDR-Etatismus einschleichen wird. Entpolitisierung, Rückgang der Bedeutung des Politprozesses, siehe auch die politische Jugenderziehung im Han-i-Sau-Land ("Animal Farm") und dazu immer weniger und immer ältere Wähler, eine zusehends in die Gesellschaft hineinwütende ("halbstarke"/"faschistoide") Jugend, die sich aus dem Gesellschaftsprozess ausklinkt, eine Überalterung und totale Verknöcherung der Gesellschaft - das alles kann dazu führen, die "deutsche Queen" auch ganz ohne jede Wahlbeteiligung der Bevölkerung noch Jahre lang im Amt zu erhalten.

Gewiss, es wird die gelegentlichen Attentatsversuche verzweifelter Verwandter von Opfern des Afghanistan-Einsatzes geben, wie letzthin auf die holländische Königin. Aber ich vermute einmal, dass die deutschen Sicherheitskräfte diesem Ansturm gewachsen sein werden. Es wird egal sein, was sie falsch oder richtig macht, die Leute werden sie einfach immer wieder aus Gewohnheit wählen. Das Geheimnis ihrer Macht wird zuletzt ein innerer Kreis aus Grauen Mamsels sein, ein Sekretärinnenkabinett, das wie der Geheimdienst einer Victoria, einer Maria Theresia, einer Katharina der Großen, jeweils genug Informationen über jeden ihrer männlichen politischen Gegenspieler zusammentragen wird, um die Burschen fest an den Eiern kneifen zu können, falls sie einmal aufmüpfig werden sollten. Da Angela als treue Rächerin aller betrogenen Ehefrauen agieren wird (und welche Politikergattin wird nicht betrogen? welcher Politiker ist nicht für kleine Sex-Abenteuer empfänglich, wenn sie ihm liebenswürdigerweise frei Haus geliefert werden?) ist ihre Machtbasis schließlich ganz unschmälerbar. Und sollte Putin eines Tages doch aus seinen KGB-Akten ein paar Fotos an die Weltpresse verteilen lassen, wird ihm eine gelangweilte Weltöffentlichkeit - gerade auch aus Deutschland - entgegen gähnen: "Stasi? Schmasi! Who cares?"

Ach ja, und zu Angies 75stem kommen dann Sir Mick und die anderen Stones-Greise und singen:

Angie Angie, du bist wunderschön ... ja aber ist es nicht an der Zeit, dass wir auf Wiedersehen sagen

(Tom Appleton)