Covid-19: "Hybride Immunität" schützt besser

WHO-Studie legt nahe, dass die Kombination aus Impfung und durchgemachter Infektion besser gegen Neuinfektionen schützt. Ungeimpfte in Kliniken leicht überrepräsentiert. Zu Corona-Folgen und Impfnebenwirkungen gibt es noch Forschungsbedarf.

Eine vorausgegangene Infektion sowie eine "hybride Immunität" gegen das Coronavirus schützen besser gegen eine Infektion mit der Omikron-Virusvariante als eine alleinige Covid-19-Impfung. Dies legt eine neue Arbeit der WHO nahe, die verschiedene internationale Studien systematisch ausgewertet hat.

Als hybride Immunität wird die Kombination aus Impfung und durchgemachter Infektion mit dem Coronavirus bezeichnet. Auf diese Ergebnisse weist das Robert-Koch-Institut in seinem jüngsten Monitoring des Covid-19-Impfgeschehens in Deutschland hin, das in der vergangenen Woche veröffentlicht wurde. Darüber hatte am Wochenende zunächst die Kreiszeitung aus dem niedersächsischen Syke berichtet.

Der Monatsbericht enthält ebenfalls Zahlen zu sogenannten Impfdurchbrüchen zwischen Mai 2021 und Ende September 2022. Demnach gab es über 2,9 Millionen symptomatische Corona-Fälle, bei denen die Infizierten mindestens eine "Grundimmunisierung" aufwiesen. Die meisten hatten zusätzlich eine sogenannte erste Auffrischungsimpfung hinter sich.

Im Monatsbericht benennt das RKI den Schutz einer "hybriden Immunität" gegen eine Neuansteckung mit der Omikron-Variante mit 74,1 Prozent nach einem Monat und mit 60,4 Prozent nach sechs Monaten. Gerade die Effektivität nach sechs Monaten liegt deutlich über der Impfung, die nach einem halben Jahr laut RKI nur noch zu 13 Prozent schützen soll.

RKI betont weiterhin Effektivität der Impfung

Das Fazit des RKI lautet dennoch, dass "für Personen mit Auffrischimpfung weiterhin von einem sehr guten Impfschutz gegenüber einer schweren Covid-19-Erkrankung ausgegangen werden" könne. Ungeimpfte Personen aller Altersgruppen hätten ein deutlich höheres Risiko für eine schwere Verlaufsform der Erkrankung, heißt es weiter.

Das Monitoring enthält ebenfalls eine Übersicht über die sogenannten hospitalisierten Fälle mit bekanntem Impfstatus im Monat September 2022. Demnach ist in allen Altersgruppen die Zahl der hospitalisierten Ungeimpften leicht größer als ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung. Laut den Daten des Intensivregisters waren im Oktober allerdings nur 11,9 Prozent der Hospitalisierten ungeimpft, der Rest hatte mindestens eine, die größte Gruppe – 56,7 Prozent – hatte drei Impfungen.

Das RKI verweist in seinem Bericht darauf, dass die Impfangaben des Intensivregisters nicht geeignet seien, um die Wirksamkeit der Impfung einzuschätzen. "Im Intensivregister werden alle auf Intensivstationen aufgenommen Fälle mit einem SARS-CoV-2-Nachweis unabhängig vom Aufnahmegrund erfasst", heißt es unter anderem zur Erläuterung.

Zu dem angepassten Impfstoff von Pfizer/Biontech, der gegen die aktuell vorherrschenden Varianten des Virus wirken soll, liegen noch keine unabhängigen Studien vor. Die Hersteller selbst sprechen allerdings davon, dass einen Monat nach der Injektion ein Anstieg der Antikörper festzustellen ist. Dies ist jedoch nach Einschätzung des Fachportals Medizin Transparent aus Österreich nur ein indirekter Hinweis auf eine Wirksamkeit.

Neben der Effektivität der Impfung werden derzeit auch die möglichen Nebenwirkungen diskutiert. In seltenen Fällen können dies auch Herzmuskelentzündungen sein, die stets auch in Verbindung mit einer Covid-19-Erkrankung gebracht worden waren. In einer Kohortenstudie israelischer Fachleute zur Häufigkeit der Herzmuskelentzündungen wurde allerdings im April dieses Jahres kein statistischer Unterschied zwischen der Covid-19-Kohorte und der Kontrollgruppe festgestellt.

"Weitere längerfristige Studien sind erforderlich"

"Unsere Daten deuten darauf hin, dass die Inzidenz von Myokarditis und Perikarditis bei von Covid-19 genesenen Patienten im Vergleich zur nicht infizierten, passenden Kontrollgruppe nicht erhöht ist", schreiben die Autoren der im April veröffentlichten Studie.

Weitere längerfristige Studien sind erforderlich, um die Inzidenz von Perikarditis und Myokarditis bei Patienten abzuschätzen, bei denen Covid-19 diagnostiziert wurde.


Aus: The Incidence of Myocarditis and Pericarditis in Post COVID-19 Unvaccinated Patients—A Large Population-Based Study / Schlussfolgerungen

Andere Studien aus Israel sowie aus Großbritannien haben nahegelegt, dass der Anstieg der Erkrankungen sowohl mit der Corona-Infektion als auch mit der Impfung zusammenhängen könnte. Dass möglichen Nebenwirkungen lange Zeit nicht nachgegangen wurde, legte zuletzt ein Bericht in der Fachzeitschrift British Medical Journal nahe, den Telepolis ausführlich zusammengefasst hat.

In Deutschland wird unterdessen weniger geimpft. Wie die FAZ berichtet, erhalten Hausärzte derzeit wenig Anfragen, "Man muss es ganz klar sagen: Der Run auf die Corona-Impfungen hat sich mittlerweile auf ein Schleichen verlangsamt", sagt Markus Beier, Vorsitzender des Hausärzteverbandes. Die FAZ weist auch darauf hin, dass mit dem Start der Kampagne "Ich schütze mich" des Bundesgesundheitsministeriums im Oktober die Impfbereitschaft noch einmal deutlich gesunken sei.

Dieser Beitrag erscheint in Kooperation mit dem Magazin hintergrund.de.

(Redaktion Telepolis)