Clint Eastwood wählt Donald Trump

Dass Teile des republikanischen Parteiestablishments sich von ihrem Kandidaten distanzieren, könnte dem Milliardär nicht nur schaden, sondern auch nützen

Am Dienstag und Mittwoch erklärten sich die republikanischen Kongressabgeordneten Adam Kinzinger, Richard Hanna und Meg Whitman öffentlich zu Unterstützern der demokratischen Kandidatin Hillary Clinton. Anlass dafür war, dass Trump sich in eine öffentliche Auseinandersetzung mit dem Vater eines im Irak gefallenen moslemischen US-Soldaten verwickeln ließ, mit dem Hillary Clinton auf ihrem Nominierungsparteitag die zum republikanischen Nominierungsparteitag eingeladene Mutter eines in Libyen gefallenen Soldaten, die der demokratischen Kandidatin die Schuld dafür gibt, zu kontern versuchte.

Andere republikanische Politiker wie der ehemalige Nixon-, Ford- und Bush-Berater Brent Scowcroft, der Bush-Finanzminister und Goldman-Sachs-Chef Henry Paulson und der Bush-Außenpolitikvize Richard Armitage hatten dem republikanischen Kandidaten bereits vorher die Unterstützung versagt.

Neocons außenpolitisch näher bei Clinton

Vor allem bei Neocons wie Lindsay Graham war dieser vermeintliche Seitenwechsel insofern wenig überraschend, als Hillary Clintons Außenpolitik ihren politischen Zielen deutlich näher kommt als das steuersparende militärische Heraushalten, das Donald Trump propagiert. Aber auch Ted Cruz, der von Trump außenpolitisch weniger weit entfernt ist, sprach sich auf dem republikanischen Nominierungsparteitag nicht klar für den Milliardär aus, sondern meinte: "Stimmt für den Kandidaten, dem ihr vertraut, dass er unsere Freiheiten verteidigen und die Verfassung respektieren wird" (vgl. Cruz verweigert Trump die Unterstützung).

Ahnlich zurückhaltend äußerte sich gestern Newt Gingrich, den der Casinomilliardär und republikanische Großspender Sheldon Adelson US-Mediengerüchten nach für das Versprechen von 200 Millionen Dollar als Vizepräsidenten haben wollte, aber nicht bekam. Er sagte dem Sender Fox Business Network, Trump müsse noch viel lernen, wenn er in die Rolle des Präsidenten hineinwachsen wolle.

Nun macht der Mann Schlagzeilen, dem Trumps bei der Wahl seines Vizepräsidentschaftskandidaten den Vorzug vor Gingrich gab: Mike Pence unterstützt nämlich die Wiederwahl des republikanischen Repräsentantenhaussprechers Paul Ryan in seinem Wahlkreis in Wisconsin. Das wäre an sich nichts Ungewöhliches, wenn Trump selbst nicht kurz vorher verlautbart hätte, er wisse noch nicht, ob er sich hinter Ryan stellt und brauche noch etwas Zeit, um sich das zu überlegen - eine offensichtliche Retourkutsche für Ryans vorangegangenes Zögern einer Unterstützung Trumps. Pence zufolge war seine eigene Unterstützung für Ryan mit Trump abgesprochen - und es ist durchaus möglich, dass auch der Milliardär den Repräsentantenhaussprecher nach Ablauf einer Rachefrist noch seinen Segen erteilt. Reince Priebus, der Vorsitzende des Republican National Committee, gab sich trotzdem "außerordentlich empört" über Trumps Zögern.

Ob Trump solche Kritik aus dem republikanischen Establishment eher schadet oder eher nützt ist offen: Viele Anhänger schätzen ihn vor allem wegen seiner Distanz zum politischen Establishment - zum demokratischen wie zum republikanischen. Sie haben Politiker satt, die "alles richtig machen" und freuen sich über einen Kandidaten, der sich anscheinend selbst dann nur sehr begrenzt verstellen kann, wenn ein schreiendes Baby seine Rede stört.

Clint Eastwood: Trump sagt "viele dumme Dinge", aber Hillary Clinton ist schlimmer

Wichtiger als die Unterstützung von landesweit bedingt bekannten republikanischen Politikern wie Whitman, Kinzinger und Hanna könnte für Trump die eines Mannes sein, den jeder Amerikaner kennt: Clint Eastwood. Der 86-jährige Schauspieler und Regisseur sagte der Zeitschrift Esquire, Trump habe zwar "viele dumme Dinge" gesagt, aber mit Hillary Clinton sei er noch unzufriedener, weshalb er im November für den Milliardär stimmen werde.

Gran Torino

Eastwood verkörperte in zahlreichen Filmen den Typus eines einfachen Amerikaners, der sich den Verfall seines Landes lange ansieht, bis er durchgreift und die Zustände mit harter Hand beseitigt. Das ist in Coogan's Bluff und den Filmen aus der Dirty-Harry-Reihe so, aber auch in Gran Torino, einem vom Kopf auf die Beine gestelltes Passionsspiel, in dem keine symbolische, sondern eine konkrete Erlösung durch einen Opfertod von Gewalttätern befreit (vgl. Der wilde Westen, ein Vorort von Detroit).

Coogan's Bluff

Der Kalifornier unterstützte in der Vergangenheit mehrfach Kandidaten der republikanischen Partei - darunter auch deren letzten Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, für den er auf dem Nominierungsparteitag eine sehr unterhaltsame Rede an einen leeren Stuhl hielt, auf dem sich die Zuschauer Barack Obama vorstellen sollten. Allerdings gab er sich auch als entschiedener Gegner von Militäreinsätzen im Ausland - sei es in Vietnam, im Irak oder in Afghanistan. Der Zeitschrift USA Weekend sagte er 2004, er sehe sich selbst weder als konservativ noch als links an, sondern möge "die libertäre Sichtweise, jeden in Ruhe zu lassen" und habe sich bereits als als Kind "über Leute geärgert, die allen erzählen wollten, wie sie zu leben hätten." (Peter Mühlbauer)

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