Bruder von Pablo Escobar will mit Kryptowährung für Trump-Amtsenthebung sammeln

Roberto Escobar. Foto: Reubenzadeh. Lizenz: CC BY-SA 4.0

Der US-Präsident dürfte sich über die Nachricht freuen, dass der ehemalige Buchhalter des Medellín-Kartells unzufrieden mit ihm ist

Roberto Escobar alias "El Osito" ist der Bruder des unter anderem durch die Netflix-Serie Narcos auch heute noch wohlbekannten kolumbianischen Kokainbarons Pablo Escobar. Nun will der 72-jährige eine neue Stablecoin-Kryptowährung auf den Markt bringen, die Escobar Token heißen und den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump stürzen soll.

Dazu will der Ex-Buchhalter des Medellín-Kartells über seine 2014 gegründete Firma Escobar Inc. von Trump-Gegnern 50 Millionen Dollar einsammeln, die dazu verwendet werden sollen, ein Amtsenthebungsverfahren zu finanzieren. Konkret verspricht er, damit Anwälte, Lobbyisten und Detektive zu bezahlen.

10 Millionen Dollar in zehn Stunden?

Manche Beobachter erinnert der Aufruf ein wenig an Geschäftsmodelle, mit denen unheilbar Kranken Geld abgeknöpft wird. Trotzdem kamen in zehn Stunden angeblich zehn Millionen herein, was man mit einem Screenshot der Crowdfunding-Website GoFundMe belegen will.

Dort ist das Vorhaben jedoch nicht mehr zu finden, was Olof Gustafsson, der CEO von Escobar Inc., mit einem angeblichen Eingriff der US-Staatsführung begründet. GoFundMe selbst spricht von einer Überprüfung. Nun will Escobar Inc. das Geld über die eigene Website ImpeachTrumpFund einsammeln.

Diet Bitcoin

In der Vergangenheit hatte Escobar Inc. eine andere Kryptowährung propagiert, den Diet Bitcoin. Den sollten Leute kaufen und benutzen, weil die Original-Bitcoins Roberto Escobars Behauptungen nach von der CIA erfunden wurden, die sie irgendwann wertlos machen würde. Mit Escobars Bitcoin-Fork passierte das bereits im letzten Jahr.

Nun wirbt die Firma damit, dass ihre neue Escobar-Stablecoin vertrauenswürdiger als der Stablecoin-Marktführer USDT der Firma Tether sei, die gerade mit Marktmanipulationsvorwürfen zu kämpfen hat. Wen das nicht überzeugt, für den verweist der Escobar-Inc-COO Daniel Reitberg auf Roberto Escobars "Geschäftssinn", der ihn "im Laufe seiner Karriere" angeblich "Hunderte Millionen Dollar machen ließ".

Wo steckt das Vermögen von El Chapo?

Auch wenn nicht auszuschließen ist, dass es Menschen gibt, die glauben, mit dem Kauf von Escobars zu einer Amtsenthebung von Donald Trump beizutragen, dürfte die Ankündigung dem US-Präsidenten selbst hochwillkommen sein: Dass der Bruder und Buchhalter des ehemals weltweit wichtigsten Drogenbarons seine Amtsenthebung anstrebt, wirkt wie eine indirekte Bestätigung seiner Beteuerungen, dass die Grenzen der USA besser gesichert werden müssen. Das Symbol dafür soll seine im Wahlkampf versprochene Mauer an der Grenze zu Mexiko werden, deren Finanzierung die Demokraten im Kongress derzeit blockieren.

Der texanische Senator Ted Cruz erinnert deshalb wieder an seinen bereits im letzten Jahr vorgestellten El Chapo Act. Er sieht vor, dass das Vermögen des mexikanischen Drogenbarons Joaquín Guzmán alias El Chapo , der derzeit in Brooklyn vor Gericht steht, zur Finanzierung dieser Grenzmauer verwendet wird (vgl. Ted Cruz will die Mauer an der Grenze zu Mexiko mit Drogengeld finanzieren). Obwohl zahlreiche Medien diese mit einem sehr ansprechend gestalteten Video illustrierte Erinnerung gestern aufgriffen, scheint sie bei näherer Betrachtung noch keine ganz ausgereifte Alternative zu einer Finanzierung aus dem regulären Haushalt:

Die 14 Milliarden Dollar El-Chapo-Vermögen, die ihr zugrunde liegen, sind nämlich nur eine Schätzung aus einer Anklageschrift, die auf Umsatzschätzungen basiert. 2009 hatte das Wirtschaftsmagazin Forbes den damaligen Chef des Sinaloa-Kartells nicht auf 14, sondern nur auf eine Milliarde Dollar taxiert. Vier Jahre darauf nahm es ihn wieder aus der Liste der reichsten Männer heraus, weil es zum Ergebnis kam, dass solche Schätzungen im Drogengeschäft branchenbedingt zu ungenau sind.

Hinzu kommt, dass weitgehend unklar ist, wie viel sich von El Chapos Vermögen praktisch sicherstellen lässt. Im Extremfall könnte das auch gar nichts sein, wenn sich die mit dem Sinaloa-Kartell in Verbindung gebrachten Unternehmen nicht entsprechend verwerten lassen. Ein Teil des Vermögens scheint El Chapos Kindern zur Verfügung zu stehen: Auf Instagram stellten sie ihren Reichtum mit Bildern von teuren Autos und exotischen Tieren recht offen zur Schau.

Dass es in der Kartellhauptstadt Culiacán weiterhin auffällig viele Läden für Luxuswaren gibt, dürfte aber auch damit zusammenhängen, dass die Geschäfte des Sinaloa-Kartells auch nach der Auslieferung von El Chapo an die USA weitergehen, wie der ehemalige Homeland-Security-Berater Michael Balboni Fox Business verriet. (Peter Mühlbauer)