Brandrodung in spanischen Naturparks

Die Empörung in Galicien ist groß, die Brandstiftungen haben vermutlich ökonomische Gründe, um Platz für Eukalyptus-Pflanzungen oder Minen zu schaffen

Die Brände sind gelöscht, die seit vergangenem Samstag in einem der bedeutendsten Wälder Europas im Naturpark "Fragas do Eume" gewütet haben. Doch auch hunderte Hektar von ökologisch besonders wertvollen Eichenwäldern aus der Jungsteinzeit sind im spanischen Nordwesten verbrannt oder geschädigt worden. Bei der Gemeinde A Capela wurden drei Brandherde entdeckt, weshalb auch die Regionalregierung Galiciens von Brandstiftung spricht. Ihr Justizminister versichert, dass die Polizei "intensiv an der Aufklärung arbeitet". Alfonso Rueda fügte in der nahegelegenen Küstenstadt Ferrol an: "Es ist kein Geheimnis, dass sie meisten Brände auf Brandstiftung zurückgehen." Er verwies auch auf die Festnahmen im Winter, in dem die schwere Dürre viele Brände in Galicien und dem benachbarten Portugal begünstigt hat.

Brände im Naturpark Fragas do Eume. Bild: ADEGA

Am Rand der Fragas do Eume seien die Brände so gelegt worden, dass der starke Wind die Flammen schnell in den Naturpark treiben konnte. Das Gelände sei sehr steil, womit ein schnelles Löschen praktisch unmöglich wurde. Nach Ansicht von Manuel Meizoso haben die Brandstifter den "idealen Ort und die ideale Zeit" gewählt. Mehrfach kamen dem Bürgermeister von A Capela die Tränen, als er am späten Dienstag vor vielen Bürgern der 1500-Seelen-Gemeinde von der Regierung forderte, nun alles für die Regenerierung der abgebrannten Flächen zu tun. Auf einer Protestversammlung bedankte er sich bei den Bürgern für ihren Einsatz: "Der Schmerz über den Verlust und die Empörung über die Vorgänge werden uns nicht die vergessen lassen, die sich dieser Katastrophe entgegengestellt haben."

Der sozialistische Bürgermeister geht mit der konservativen Regionalregierung hart ins Gericht. Hätten man nicht eigenhändig die Flammen bekämpft, wären auch viele Häuser abgebrannt. Es sei ein "Wunder" gewesen, dass man das verhindern konnte, als sich die Flammen bis auf 50 Meter heranschoben. Niemand habe geholfen, weder die Feuerwehr noch das eingesetzte Militär, kritisiert der Bürgermeister. Meizoso blickt nun nicht nur auf eine schwarze Umgebung, sondern auch auf eine schwarze Zukunft der Region. Nun räumt auch das galizische Umweltministerium ein, dass gut 1.000 Hektar Wald verbrannt sind, davon 370 im Naturschutzgebiet. Meizoso schätzt, dass es sogar 2.000 sein dürften. Wie A Capela sind auch andere Dörfer doppelt betroffen, denn viele leben von der Forstwirtschaft, dazu kommt, dass die Besucher des Parks eine große ökonomische Bedeutung für die Region haben. Gerade zu Ostern wollten wieder viele Touristen dieses Juwel besuchen. Viele haben ihren Urlaub in der armen Region storniert, obwohl nach bisherigen Einschätzungen der Großteil des gut 9.000 Hektar großen Naturparks weitgehend geschützt werden konnte.

Auch Umweltschutzorganisationen weisen darauf hin, dass die Flammen nicht nur Teile dieses einzigartigen Primärwaldes zerstört haben, sondern damit auch die Lebensgrundlage vieler Menschen. José María Álvarez von der lokalen Gruppe Castaño y Nogal erklärt. "Die Landschaft wird niedergebrannt, die jedes Jahr zahllose Menschen anzieht." Er fordert deshalb einen effektiven Schutz. Er steht damit nicht allein, auch die Vertreterin der Umweltschützer im Rat des Naturparks kritisiert, dass es zwar "Mittel zur Brandbekämpfung gibt, doch die Präventivmaßnahmen werden immer weiter gekürzt".

Mónica Arto fügt an, dass die Regionalregierung schon neue Kürzungen angekündigt habe. Sie sieht nach dem Brand zudem große Gefahren für den Eume-Fluss, da in diesen Tagen der lang erhoffte Regen erwartet wird. In Galicien weiß man um die Folgen für die Flora und Fauna, wenn nach Waldbränden große Mengen Asche in die Flüsse gelangen. Das führt regelmäßig zum Fischsterben. Davon betroffen wäre nun auch die nahegelegene Ria de Betanzos, in die der Eume mündet. Die tief ins Land eindringenden Meeresbuchten (Rias) sind besonders reich an Fischen und Meerestieren, womit ein weiteres Standbein der regionalen Wirtschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen würde.

Rio Eume. Bild: Froaringus/CC BY-SA 3.0

Vermutet wird, dass hinter den Brandstiftungen auch ökonomische Gründe stehen. Schon jetzt werde im und um den Naturpark Fragas de Eume immer mehr Eukalyptus für die Papierfabrik in As Pontes angebaut und diese Bäume brennen anders als die ursprünglichen Eichenwälder schnell und heftig. Auf den Demonstrationen, an denen sich viele Tausend Menschen beteiligt haben, wurde immer wieder angesprochen, dass mit dieser Brandrodung wohl erneut Flächen zum Anbau des schnellwachsenden Industriebaums geschaffen werden sollen.

Greenpeace vermutet aber auch einen Zusammenhang zu Minenprojekten. Der Brand sei am Samstag nahe der Stelle gelegt worden, wo die Firma "Picobello Andalucita S.L" Andalusit abbauen will. Gefordert wird von der Staatsanwaltschaft, mögliche Zusammenhänge aufzuklären. Für die Vereinigung zum Schutz der Ökologie Galiciens (Adega) sind die vielen Brände derzeit kein Zufall und nicht allein der Dürre geschuldet. Sie seien die "Konsequenz einer miserablen Politik". Statt Wälder wie in dem Naturpark mit ihrer großen Biodiversität zu schützen, habe die Regionalregierung es erlaubt, dass sich auch dort Eukalyptus-Monokulturen ausbreiten. Allein im laufenden Jahr seien in Galicien mehr als 6.000 Hektar Wald den Bränden zum Opfer gefallen seien, vor allem in Naturschutzgebiete wie Limia-Xurés, O Courel, Macizo Central und nun Fragas do Eume.

Die Plattform "Galicien steht nicht zum Verkauf" (GNSV) verweist darauf, dass die Wälder dort abgebrannt würden, wenn Windkraftanlagen, Stauseen, Eukalyptus-Monokulturen oder Minen geplant seien. Bewohner der Region vermuten, die vielen Brände derzeit hätten damit zu tun, dass die konservative Volkspartei (PP) in Spanien wieder die Wahlen gewonnen hat. Es wird erwartet, dass sie die Krise auch als Begründung nutzen könnte, um das Berggesetz rückgängig zu machen.

Die sozialistischen Vorgänger hatten nach ihrem Wahlsieg 2004, wenn auch zaghaft und verspätet, festgelegt, dass abgebrannte Wälder in den nächsten 30 Jahren nicht für touristische Zwecke, Landbau oder andere Zwecke umgenutzt werden können (Ein Drittel Spaniens droht zur Wüste zu werden). Denn in der neuen Form der Brandrodung war zuvor im Bauboom viel Bauland geschaffen worden. Die damals ebenfalls regierenden Konservativen hatten praktisch alles Land zum Bauland erklärt und damit den Grundstein für die massive Immobilienblase gelegt, die schließlich 2008 geplatzt ist. Doch noch zwischen 2000 und 2004 wurden jährlich etwa 22.000 Brände registriert. Und es war kein Zufall, dass vor dem Inkrafttreten des Gesetzes schließlich 2005 ein neuer Rekord mit fast 26.500 Hektar aufgestellt wurde (Nach dem Feuer ist vor dem Feuer). Die konservative Hochburg Galicien war dabei ebenfalls besonders stark betroffen. (Ralf Streck)