Bienen gegen Bomben

Bienen oder andere "Bio-Sensoren" lassen sich als Detektoren für Sprengstoff und andere Stoffe trainieren

Bienen sind dem Militär und Sicherheitskräften schon lange aufgefallen. Mit ihnen ließen sich, könnte man sie trainieren, durch Gerüche bestimmten Substanzen entdecken, wie man dies beispielsweise auch mit Hunden gelingt. Bienen haben nicht nur den Vorteil, dass sie kleiner und unauffälliger sie, sie haben auch ein viel feineres Riechsystem, mit dem sie über viele Kilometer hinweg Blumen riechen können. Koppelt man beispielsweise die Nahrungsaufnahme mit der Aussetzung der Bienen an Explosivstoffe, so können sie als Bio-Sensoren oder lebendige Minendetektoren eingesetzt werden – wenn dies denn wollen, was nicht so leicht sein kann, wenn man sie nicht kontrollieren und fernsteuern kann (Minen-Bienen und Rettungs-Ratten).

Allerdings haben die Bienen bereits Konkurrenz durch andere Insekten bekommen. Angeblich lassen sich Wespen innerhalb von Minuten darauf trainieren, bestimmte Stoffe wie Bestandteile von Sprengstoffen oder Giftstoffe zu entdecken. Wissenschaftler sind der Überzeugung, dass dies noch mit einer Vielzahl anderer Tiere möglich ist. Bei den Wespen hat man sich einen „Apparat“ in Form eines Plastikzylinders mit einer Öffnung und einer kleinen Web-Kamera ausgedacht. Die trainierten Wespen kann man damit in die Nähe eines Gegenstands bringen. Wenn sie den ihnen antrainierten Geruch riechen, beginnen sie, sich um die Öffnung zu drängeln, was mit der mit einem Notebook verbundenen Kamera sehen kann.

Die britische Firma Inscentinel bietet trainierte Bienen mitsamt einer Box in einem Koffer an, in der sie zum Einsatz gebracht werden können. Wenn die Bienen in dem Luftstrahl, der in ihre Box gelangt, riechen, auf was sie trainiert wurden, dann wird ihr Verhalten, ebenfalls mit einer Kamera aufgezeichnet, ausgewertet und entsprechend interpretiert. Entdecken lassen sich damit nach den Angaben der Firma Sprengstoffe, Drogen und chemische Waffen, Schmuggelware, Krankheiten oder der Zustand von Lebensmitteln.

Am Los Alamos National Laboratory (LANL) hat man im "Stealthy Insect Sensor Project” Bienen ähnlich wie bei Inscentinel antrainiert, ihre Zunge herauszustrecken, wenn sie einen bestimmten Duftstoff riechen. Trainiert werden die Bienen so, dass sie einen Duft in einem Luftstrahl ausgesetzt werden und gleichzeitig Zuckerwasser erhalten. Schon nach wenigen Wiederholungen strecken sie die Zunge heraus, wenn sie den Duft riechen.

Das LANL preist den Erfolg des von der Darpa geförderten Projekts nun als eine Art Durchbruch mit „weitreichenden Folgen für die Verteidigung und den Heimatschutz“ an. Man habe damit ein entscheidendes Mittel gefunden, um die „improvisierten“ Bomben (IEDs) zu entdecken, die amerikanische Truppen und zunehmend auch Zivilisten gefährden. Trainiert wurden die Bienen auf die Erkennung von TNT oder TATP. Wie die Bienen in den Einsatz gebracht werden, scheint noch nicht klar zu sein. Beim LANL wird mithin als Neuheit berichtet, was anderswo bereits geleistet wurde.

Allerdings haben die Wissenschaftler auch die genetischen und physiologischen Eigenschaften der besser reichenden Bienen erforscht, um die Bio-Detektoren so zu verbessern, zudem haben sich auch bestimmt, wie gut die Bienen noch Sprengstoffe erkennen können, wenn der Duft von anderen Stoffen wie Motoröl, Cremes oder Mittel gegen Insekten überlagert wird. Das praktische Problem dürfte aber etwa für die Entdeckung von Sprengfallen, die an Straßen versteckt sind, darin bestehen, wie man die Bienen zielgerichtet zum Detektieren bringt. Zudem dürften auch Bienen ausgetrickst werden können, indem Terroristen, falls Bienen tatsächlich erfolgreich eingesetzt werden könnten, einfach auch anderen Stellen Spuren von Sprenstoff verstreuen und so die Biosensoren zum falschen Alarm verleiten. (Florian Rötzer)