Aufklärungsflugzeug über London

Terrorangst führt zu neuen Maßnahmen der nationalen Sicherheit

Zumindest in den USA und in Großbritannien wächst offenbar mit dem näher rückenden Kriegstermin auch die Angst vor Terroranschlägen. In London und auf den britischen Flugplätzen herrscht erhöhte Sicherheit und gab es bereits zeitweise Sperrungen, nachdem Geheimdienste Kenntnis von einem geplanten Anschlag auf Passagierflugzeuge mit Raketen erlangt haben wollen. Zeitweise waren sogar am Flugplatz Heathrow Panzer aufgefahren. Das erste Mal werden die Sicherheitsvorkehrungen am Boden jetzt auch hoch über London durch ein Aufklärungsflugzeug ergänzt und koordiniert.

Seit kurzem kreist das Hightech-Aufklärungsflugzeug Nimrod MRA2 über der britischen Hauptstadt wie über einem Kriegsgebiet. Es soll für die vielen Polizisten und Soldaten, Geheimdienstagenten und Antiterrorexperten der SAS, die London überwachen, ein sicheres Netzwerk im Falle eines Angriffs bieten. Für die Funkverbindung der beteiligten Kräfte wird damit eine lückenlose Kommunikation hergestellt.

Die Anwesenheit des Aufklärungsflugzeugs und die über die Stadt fliegenden Tornado-Kampfjets vermitteln nicht nur Sicherheit durch Abschreckung, sondern sorgen auch für das Entstehen von Ängsten. Schließlich könnte die Regierung ja von geplanten Anschlägen wissen, die nicht der Öffentlichkeit mitgeteilt wurden. Die Regierung spielt zwar die Bedeutung der Sicherheitsvorkehrungen herunter, aber wer will in diesen Tagen in den USA und in Großbritannien schon sagen, ob die induzierte Angst in der Bevölkerung durch die Bekanntgabe von Hinweisen auf mögliche Terroranschläge und die allpräsenten Sicherheitsmaßnahmen nicht auch den Nebeneffekt haben soll, den bevorstehenden Krieg in der Bevölkerung zu legitimieren?

Was sich an Technik auf der Nimrod befindet, die normalerweise zum Aufspüren von U-Booten verwendet wird, aber auch in Afghanistan und anderen Konfliktzonen im Einsatz war, ist unbekannt. Möglicherweise ist sie bereits mit dem neuen Joint Tactical Information Distribution System (JTIDS) ausgestattet, das nicht der Kommunikation mit dem Boden, sondern mit anderen Flugzeugen dient. Dann könnte, wie Martin Streetly von Jane's Defence Weekly sagt, in diesem Fall auch die Sorge über einen Anschlag mit einem entführten Passagierflugzeug wie am 11.9. bestehen. Über JTIDS ließe sich ein Kampfflugzeug anfordern, um ein Flugzeug zu begleiten oder gar abzuschießen.

Die Geheimdienstinformationen wiesen allerdings darauf hin, dass möglicherweise ein Anschlag auf ein startendes oder landendes Flugzeug mit Boden-Luft-Raketen geplant sein könnte. Interessant wäre freilich, ob der Geheimdienst Government Communications Headquarters (GCHQ), der normalerweise militärische Informationen sammelt und im Ausland spioniert und lauscht, nun auch die inländische Kommunikation, beispielsweise über Mobiltelefone, mit Nimrod abhört. GCHQ betreibt mit der NSA die in Großbritannien befindlichen Echelon-Lauschposten (Inside Echelon). Überdies können mit den Kameras auch Fahrzeuge und Menschen auf dem Boden überwacht werden. (Florian Rötzer)