Arbeitsklima bei Twitter: Führt Elon Musk die 80-Stunden-Arbeitswoche ein?

Bild: Pete Linforth auf Pixabay

Der CEO hat die Mitarbeiter vor die Wahl gestellt: Massiv Überstunden leisten oder Kündigung. Das Ultimatum läuft am Donnerstag aus. Vor welchen Problemen das soziale Netzwerk steht.

Elon Musk ist sicher kein Mensch, der das Risiko scheut – mit Twitter dürfte er sich allerdings übernommen haben. Die Übernahme des sozialen Netzwerks kommt einer Wette gleich, ob es ihm gelingen kann, einen defizitären Konzern auf Vordermann zu bringen.

Von 2013 bis heute schrieb das Unternehmen die meiste Zeit rote Zahlen. Wachsen und die notwendigen finanziellen Mittel einwerben konnte das Unternehmen wahrscheinlich nur durch das Versprechen, eines Tages doch ein profitables zu werden – so wie das soziale Netzwerk Facebook.

Die wirtschaftlichen Probleme von Twitter bestanden bereits vor der Übernahme durch Musk. In den vier Quartalen vor der Transaktion konnte das Unternehmen Einnahmen in Höhe von rund 5,2 Milliarden US-Dollar verzeichnen. Diese Summe plus einen Betrag X musste Twitter allerdings für Gehälter und Infrastruktur aufwenden, hieß es am Dienstag bei der Nachrichtenagentur Reuters.

Weitere 1,2 Milliarden US-Dollar werden jährlich für Zinsen auf Schulden fällig, die Musk verursacht hat. Im Zuge der Übernahme soll Musk das Unternehmen mit Schulden in Höhe von fast dreizehn Milliarden US-Dollar belastet haben, heißt es bei Bloomberg.

Den hohen Ausgaben und Schulden stehen gesunkene Werbeeinnahmen gegenüber. Diese sanken in der gesamten Branche, heißt es bei Reuters. Aber die Änderungen bei der Plattform haben zusätzlich zu einer Flucht der Werbekunden und einem "massiven" Einbruch bei den Einnahmen geführt.

Musk reagiert darauf mit einem massiven Sparkurs, den er in einem autokratischen Führungsstil durchsetzen will. Knapp die Hälfte der Belegschaft zu entlassen, war ein erster Schritt. Die restlichen Beschäftigten will er nun dazu zwingen, massiv Überstunden zu machen. Die Mitarbeiter sollten sich auf eine 80-Stunden-Woche einstellen. Außerdem solle es weniger Vergünstigungen im Büro geben, wie etwa kostenloses Essen.

Die Washington Post berichtete am Mittwoch von einer E-Mail, die Musk an die Beschäftigten bei Twitter verschickt haben soll. Darin werden sie aufgefordert, sich zu entscheiden: Wenn sie "Teil des neuen Twitter" sein wollen, sollen sie bis Donnerstag auf einen Link klicken und damit zustimmen, künftig "lange und intensiv" zu arbeiten. Im anderen Fall würde ihnen gekündigt und sie bekämen als Abfindung drei Monatsgehälter.

Der autokratische Führungsstil von Musk zeigt sich auch im weiteren Umgang mit den Beschäftigten. Musk bezeichnete sich selbst einst als "Absolutist der Meinungsfreiheit" – doch in seinem Unternehmen duldet er keinen Widerspruch: Mehrere führende Mitarbeiter sollen kürzlich entlassen worden sein, weil sie öffentlich Kritik an ihrem neuen Chef übten.

"Ich möchte mich für die Entlassung dieser Genies entschuldigen", twitterte Musk am Dienstag. "Ihr immenses Talent wird zweifellos anderswo von großem Nutzen sein."

Mit einer Neuerung will Musk die finanzielle Situation des Unternehmens verbessern – mit dem Twitter Blue-Abonnement. Acht US-Dollar soll man im Monat zahlen und man kommt damit weniger Werbung angezeigt.

Doch Kritiker zweifeln bereits, dass damit die Trendwende eingeläutet ist. Es müssten sich 115 Millionen Nutzer bereit erklären, diesen Betrag zu zahlen, damit Twitter die Gewinnspanne erreicht, heißt es bei Reuters.

Bis zu dem Zeitpunkt, als Twitter das Blue-Abonnement vorübergehend stoppte, hatten sich allerdings nur etwa 150.000 Nutzer bereiterklärt, die acht US-Dollar zu zahlen. Diese Zahl wird in einer internen Untersuchung angeführt, schreibt die Washington Post. Sollte das zutreffen, dann wären es nur etwa 0,06 Prozent der knapp 250 Millionen Nutzer. Häufig seien die "verifizierten" Konten welche, die für rechte Politik werben, für Spekulationen mit Kryptowährungen, oder die Pornografie anpreisen.

Als problematisch werde im Unternehmen zudem eingeschätzt, dass mit dem Blue-Abonnement Werbeeinnahmen verloren gehen könnten. Einerseits sind die Vielnutzer am ehesten bereit, das Abo für acht US-Dollar abzuschließen. Allerdings erwirtschaften sie jeden Monat mehr als 40 US-Dollar an Einnahmen.

Dass die Vielnutzer für Twitter besonders wichtig sind, wird noch durch einen anderen Fakt unterstrichen: Etwa 79 Prozent seiner Werbeeinnahmen in den USA generiert das soziale Netzwerk mit ihnen. Sie machen aber nur etwa zehn Prozent der Nutzer aus. (Bernd Müller)

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