Aliens für alle

Bei SETI@home sollen sich viele Menschen an der Suche nach außerirdischer Intelligenz beteiligen

Wer will und über einen Computer mit Zugang zum Internet besitzt, wird sich bald an der Suche nach intelligentem extraterrestrischen Leben beteiligen können. Bislang ist diese Suche auf Wissenschaftler begrenzt und nach einigem Enthusiasmus wieder abgeklungen, auch wenn etwa die Filme Contact oder Independence Day wieder ein allgemeines Interesse geweckt haben. Das von Carl Sagan gegründete SETI-Institut etwa muß sich seit einiger Zeit privat finanzieren, um das Projekt Phoenix weiter zu betrieben, bei dem das Weltall nach schmalbandigen Radiosignalen, die in der Natur nicht vorkommen "abgehört" wird.

Wissenschaftler an der University of California haben mit SETI@home ein Projekt auf den Weg gebracht, um mit der Mitarbeit von Millionen von Menschen und deren Computern in einer kollektiven Aktion und in einem schmalen Frequenzspektrum viel genauer als andere Projekte nach Radiosignalen zu suchen, die möglicherweise von intelligentem Leben stammen könnten. Die Daten, die mit einem Programm nach Signalen in 4.000.000 verschiedenen Kombinationen von Frequenz, Bandbreite und zeitlicher Frequenzdrift untersucht werden können, stammen vom Arecibo-Radioteleskop in Puerto Rico, dem bislang größten und empfindlichsten Radioteleskop der Welt. Wenn Millionen von PCs über das Netz gleichzeitig Berechnungen ausführen, können sie viele Male schneller als der beste - und teuerste - gegenwärtige Supercomputer sein. Jeder einzelne vernetzte Computer wird dabei zum Teil eines Internet-Supercomputers. Die gesamte Rechenarbeit wird aufgeteilt und in kleinen Portionen an die einzelnen Computer verteilt, die ihre Ergebnisse wieder dem Zentralcomputer rückmelden, der sie integriert.

Radioteleskop Arecibo

Noch allerdings kämpft das Projekt vor allem um das notwendige Geld und bittet Sponsoren und Privatleute um Unterstützung. Notwendig zum Start der Hardware-Implementierung und der Vervollständigung der Software seien insgesamt 200000 Dollar - eigentlich Peanuts, zumal es ja nicht nur um die mögliche Entdeckung irgendwelcher Radiosignale vielleicht vor dem Fernsehen sitzender oder Radio hörender Aliens geht, sondern auch um ein interessantes technisches Projekt zur verteilten Berechnung. In der Projektphase sind bislang "nur" 50000 Computer miteinander verbunden. Weil das Geld bislang nicht zusammenkam, auch wenn Sun Microsystems immerhin unverzichtbare Computerhardware gestiftet und das Projekt im Juni 1998 die Medaille des Smithsonian Instituts für den ersten Platz in technologischer und wissenschaftlicher Innovation erhalten hat, mußte die Entwicklungsphase der wissenschaftlichen Version trotz vieler Programmierer, die kostenlos mithelfen wollen, noch weiter verschoben werden. Wenn man sich in eine Mailing-Liste einträgt, kann man sich diese, sobald fertig, herunterladen und bereits mit der Analyse beginnen.

Die endgültige Version soll dann allerdings auch für den Laien benutzerfreundlicher sein. Ein "Science Mode" soll den Stand der Analyse anzeigen und ihn verständlich erläutern. Beim "Sky Progress Mode" werden alle Ergebnisse zusammengefaßt, während "Earth Progress Mode" sich auf die Erde richtet und die "Fleißigsten" hervorhebt. In Echtzeit werden die Anzahl der aktuell beteiligten Rechner und die Teilnehmer mit der längsten Anschaltdauer sowie der größten analysierten Datenmenge dargestellt, vielleicht um den nötigen Anreiz zur Konkurrenz zu schaffen. Auf einer Web-Site soll schließlich alles Wissenswerte zum SETI-Projekt, zur Astrobiologie und Astronomie angeboten werden.

Natürlich sind viele daran interessiert, an einem solchen Projekt teilzunehmen, um vielleicht mit dabei gewesen zu sein, wenn tatsächlich ein vielversprechendes Signal entdeckt wird.120000 Menschen haben sich angeblich schon registriert. SETI@home jedenfalls gibt jedem eine Chance bei dem ungewissen Unternehmen: "Jeder einzelne Teilnehmer wird eine kleine (aber durchaus reale) Chance dafür haben, daß gerade sein Computer das leise Grummeln einer fernen Zivilisation jenseits der Erde entdeckt."

Aliens - Forum der Technik, München

Belästigen oder von der Arbeit abhalten wird das Analysieren der Daten die Computernutzer nicht. Das Programm soll wie ein Bildschirmschoner funktionieren, also dann auf Rechenkapazität zugreifen, wenn der Benutzer nicht mit eigenen Arbeiten seinen Computer beansprucht: "Während Sie Kaffee trinken, etwas essen oder vielleicht vor dem Monitor eingeschlafen sind, wird Ihr Computer dabei mithelfen, Daten vom größten Radioteleskop der Welt zu analysieren, um intelligente Signale aus dem Weltraum aufzuspüren." Macht der Teilnehmende es aber nicht vom Betrieb aus, so könnte das zumindest hierzulande einige Kosten für ihn hervorrufen - oder auch Ärger seitens des Betriebes, wenn man zwar Pause macht, um mal wieder als Highlight in der SETI-Hitliste aufzutauchen, gleichzeitig aber Bandbreite verbraucht. Wenn man aber keine Aliens zu Gesicht bekommt - dazu sollte man eher in die Ausstellung Aliens im Münchner Forum der Technik gehen - , sondern bestenfalls einige Daten und wahrscheinlich keine Signale, die wie in den Filmen irgendeine Botschaft enthalten, wird die Suche nicht lange interessant sein.

Wer damit noch nicht genug hat und seinen Computer weiterhin in den Dienst spannender Projekte stellen will, könnte ja einmal bei Tom Rays Tierra anklopfen, wo es um die Schaffung eines digitalen Dschungels auf dem Kontinent vernetzter Rechner geht, oder sich bei einem möglicherweise eher Erfolg versprechenden Projekt beteiligen, bei dem es durch die Entwicklung einer D'Arcy-Maschine darum geht, überhaupt erst einmal nachzuprüfen, ob es spezifische Formen des irdischen Lebens gibt, um danach nach Spuren von Leben auf Meteoriten oder anderen Planeten zu suchen. (Florian Rötzer)