Abenteuerreisen II: Terror-Safari in der Westbank

Siedler in Gush Etzion bieten ein besonderes Reisepaket für Touristen - virtuelle Terrorattacken inbegriffen

Wer unter den investigativen Orienttouristen fürchtet, dass die Kugeln, die einem auf der Pauschaltour nach Bagdad oder Kabul (vgl.Orient-Express für alle) womöglich um die Ohren pfeifen, zu echt sein könnten, für den mag ein Angebot der israelischen Siedler in Gush Etzion überzeugender sein; fünf Tage lang kann man sich dort für 5.500 Dollar vorführen lassen, wie sich Siedler auf eine Terrorattacke vorbereiten: Ausbildung an Feuerwaffen, Instruktionen von Reserveoffizieren der IDF, Hubschrauberflüge über die besetzten Gebiete und als Höhepunkt der inszenierte Angriff von Terroristen auf die Siedlung.

Die Organisatoren - das Konzept wurde von Siedlern entworfen, die aus den USA immigriert sind - finden nichts "Seltsames" an ihrem Angebot. In Anspielung an einen Ferienaufenthalt in einem "Baseball Dream Camp", wie er in den USA üblich ist, wird einer der Veranstalter von Ha'aretz mit den Worten zitiert:

Eine Person, die gewillt ist, eine Menge Geld für das Posieren mit einem Baseball-Schläger und einem zweitklassigen Baseball-Spieler zu blechen oder für Bungee-Jumping, könnte auch gewillt sein, so etwas zu machen.

Die israelische Presse bezeichnete diese Art der Reiseveranstaltung als "Terrortourismus". Kritik gab es auch innerhalb der Siedlervereinigung. Die Westbank und der Gazastreifen würde durch solche Angebote unfairerweise als gefährlicher Platz zum Leben dargestellt - (die Gefahr) sei marginal, irrelevant und stünde in einem gewissen Ausmaß sogar im Gegensatz zur Realität...

Wenn die Israelis Tourismusangebote offerieren, die präsentiert werden wie Reiseangebote nach Bosnien, wenn dies das Image ist, das sie von Israel und der Yesha (der Siedlergemeinschaft von Westbank und Gazastreifen) präsentieren wollen, dann ist das meiner Meinung nach ein Fehler. Das ist nicht die Realität. Eine Viertelmillion Juden leben dort und besonders seit der "Operation Defensive Shield" haben sich die Dinge signifikant zum Besseren entwickelt.

Bentzi Liebermann, Vorsitzender von Yesha

Zweiundzwanzig junge Amerikaner sollen sich bereits für das Reisepaket angemeldet haben. Die erste Gruppe wird in einem Monat erwartet.

Das Risiko, dass ihnen echte Kugeln um die Ohren pfeifen, ist für die Touristen ziemlich gering. Für die Palästinenser, die im Gazastreifen leben, ist es derzeit tägliche Realität. (Thomas Pany)