Himmeldonnerwetter

Harald Taglinger

Surfer haben vielleicht bald ihren Heiligen

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Die katholische Kirche soll sich - so munkelt man aus den gut unterrichteten Kreisen - für einen Surf-Heiligen entschieden haben: Es ist der - Achtung - Isidor von Sevilla. Das ist schön. Den hätten wir nun wirklich nicht vermutet. Was sind wir froh, dass die geheimen Archive nicht irgendjemanden ausgesucht haben, der wie üblich in siedendem Öl, heißem Pech oder Ähnlichem abgesudelt wurde, bevor er das Himmelreich sehen durfte. Das wäre einfach ein schlechtes Gefühl.

Isidor - man muss nur den Stab gegen die Maus und das Buch gegen einen Bildschirm auswechseln ...

Nein, man hat sich mehr von dem leiten lassen, was uns alle in das Netz der Netze treibt: Denn schließlich sagt ja schon das 2. Vatikanische Konzil:

"The joys and the hopes, the griefs and the anxieties of the men of this age, especially those who are poor or in any way afflicted, these are the joys and hopes, the griefs and anxieties of the followers of Christ."

Wir lesen also über diesen Herrn - nein, nicht den HERRN, sondern DEN Herrn - im Heiligenlexikon folgendes:

Zirka 560 herum geboren, ziemlich strenger Abt, den Wissenschaften zugetan. "In seinem wichtigsten Werk, der "Etymologiae", versuchte Isidor das gesamte weltliche und religiöse Wissen zu vereinen. Das Werk umfasst 20 Bände und enthält Informationen, die Isidor den Werken anderer Schreiber und römischer Persönlichkeiten entnommen hatte, es wurde zum beliebtesten Handbuch für die Studenten des Mittelalters und blieb über Jahrhunderte hinweg ein Standard-Nachschlagewerk. Seine "Chronica Majora" ist ein umfassendes Geschichtswerk von der Schöpfung bis zum Jahr 615...Von Isidor stammt der Gebrauch des Ausdrucks "Messe" für den Gottesdienst mit Eucharistiefeier, abgeleitet vom lateinischen "Missio", "Sendung" als die Sendung zunächst der Neugetauften, der Katechumenen, dann der ganzen Gemeinde."

Aha.

Um dem netten Abt von nebenan also seinen neuen Job als Schutzpatron des Internet genauer zu erklären, gehen wir angesichts seines Alters, seiner Verdienste und seines Wissenstands wie folgt vor.

1. Wir erklären es ihm fünfmal am Tag. Möglichst nur unter uns Brüdern im Geiste.
2. Wir machen ihm klar, dass er sich das Internet als weltweites Medium wie eine Art von Wählscheibe vorstellen soll.
3. Wir erklären ihm, dass das Messopfer für die Nutzung dieser heiligen digitalen Schriften zirka 2 Pfennig pro Minute betragt (derzeit).
4. Außerdem dürfte für ihn nicht uninteressant sein, dass die meisten Business-Modelle entweder von allen guten Geistern verlassen oder im Gottvertrauen geschaffen worden sind.

Da wird dann der gute Isi sagen. "Klar. Coole Sache. Da pass ich doch drauf auf." Und da haben wir dann alle was davon, weil von diesem Zeitpunkt an die Datenconnects besser sind, der Download schneller geht und weniger schlimme Bilder von nackten Frauen (Isi, das kennst Du nicht, das ist aber auch nicht so wichtig, wie sie immer alle tun) über die heiligen Leitungen sprudeln.

Das ist doch, generell gesehen, endlich einmal eine gute Nachricht aus dem Vatikan.